Archive for October, 2006

Apollo - First Steps on the Moon

Thursday, October 19th, 2006

Die neulich von mir beschriebene Vision des Intranet-Baukastens, mit dem man verschiedene Softwaremodule zu einem Unternehmensworkflow zusammenbauen kann, hat einen riesigen neuen Legostein dazubekommen: Adobe schickt mit Apollo ein neues System in den Orbit, das es ermöglichen soll, Rich Internet Applications (RIA) als Desktop-Programme laufen zu lassen:
“Apollo is the code name for a cross-operating system runtime being developed by Adobe that allows developers to [...] build and deploy Rich Internet Applications (RIAs) to the desktop.”
Auf diese Weise entwickelte Oberflächen haben den großen Vorteil, dass sie auch für Telearbeiter über das Internet angeboten werden können: One description fits all!
Ryan Steward hat jetzt beeindruckende Screenshots der ersten mit Apollo erstellten Prototypen ins Netz gestellt.

Flashforum-Konferenz

Thursday, October 19th, 2006


Die Themen stehen noch nicht im Detail fest, aber alle wichtigen Namen sind als Referenten vertreten. Anmelden ist jedoch schon möglich. Laut Mitveranstalter Marc Thiele werden sich die Themen jedoch schwerpunktmäßig um “das viel zitierte Web 2.0 und Rich Internet Applications” und den Einfluss gehen, den Flash und Flex darauf ausüben. Der Eintrittspreis beläuft sich - dank der Förderung von Adobe - auf Euro 99,- (inkl. MwSt.).

Telearbeit: Kollaboration und Lunch Clubs

Friday, October 13th, 2006

Telearbeit nimmt langsam Formen an. OpenSource-Projekte praktizieren sie schon lange - sie muss also eigentlich funktionieren. Selbst die besonders auf reale Zusammenarbeit vor Ort zugeschnittenen Vorgehensweisen wie Pair Programming finden sich frei verfügbare Tools wie Sangam und viele andere. (Wer’s nicht glaubt, suche unter http://sourceforge.net/softwaremap/ nach “collaboration”, dort findet man auch reichlich Kollaborationsplattformen für andere Branchen …). Auch unter Verteilte Softwareentwicklung erfordert Tools für die Zusammenarbeit findet sich eine Liste mit kollaborativen Arbeitsumgebungen.

An der Technik liegt es also nicht. Was derzeit noch im Argen ist, ist die schnöde Gewohnheit: erst wenn der Umgang mit Kollaborationstools allen so selbstverständlich ist wie unser täglich Word, werden die Menschen auf einmal akzeptieren, dass sie online arbeiten. Und das mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie heute die Tatsache, dass sie über Handy erreichbar sind (Ich erinnere mich noch lebhaft an die “Ich will doch garnicht immer erreichbar sein!”-Diskussionen aus der Zeit davor).
Diese Gewohnheit könnte sich jedoch sehr bald schon einstellen: das neue Windows Vista wird einen eigenen Bereich “Windows Teamarbeit” (bzw. Windows Meeting Space) anbieten (siehe iX 11/2006, S.12 ff.). Auf diese Weise sind bereits Millionen Menschen auf Email und schließlich auf das Internet konditioniert worden.

Zudem gibt es - abseits der Programmierung - für die Zusammenarbeit in “normalen Bereichen” eine ganze Reihe neuer Anwendungen, die derzeit auf der Office 2.0 Conference in San Francisco vorgestellt und diskutiert werden (Dank an Andreas Göldi für den Hinweis!).

Sollten sich dabei tatsächlich bei einigen Zeitgenossen die schlimmsten Befürchtungen bestätigen und sie sämtliche soziale Kontakte verlieren, gibt es jetzt auch dafür eine Kompensation: der Zukunftsforscher Matthias Horx beschreibt etwa die Erfindung des Lunch Clubs (Neuer Socializing-Trend für Arbeitsnomaden: Lunch-Clubs), die es uns jetzt ermöglichen wird, uns auch mal so zu treffen - ohne den lieben langen Tag zusammen in Büros gepfercht zu werden. Na, dann Mahlzeit.

Vom Intranet zur Universalsoftware

Monday, October 9th, 2006

Intranets waren einmal ganz klar eine Aufgabe für Agenturen. Die Aufgabe war im wesentlichen gestalterischer Art: es ging darum, die täglichen News der Firmenleitung (oder “Corporate Communications”) schön und CI-konform zu präsentieren. Dann kam die Zeiterfassung, die man über dieselbe Oberfläche bearbeiten konnte, zeitliche Auswertungen und andere projektmanagementbezogene Möglichkeiten. Schließlich wurde das Adressverzeichnis automatisiert, der Vertrieb integrierte eine Kundendatenbank aus dem CRM-System und die IT-Abteilung ein Collaboration-Tool für die Zusammenarbeit mit Externen.
Das gute alte Informationsmedium Intranet wird immer mehr zu einer Softwareoberfläche. Auch wenn serviceorientierte Software (SOA) immer noch in vielen deutschen Firmen stiefmütterlich behandelt wird (Asien und die USA sind da weiter vorne), gibt es immer mehr Programme, die Services anbieten und sich so unter einer neuen Oberfläche zusammenfassen lassen. Dafür kommen zwei Vorgehensweisen in Betracht: “handgestrickte” Oberflächen lassen sich genauer auf die Arbeitsabläufe und die CI des Unternehmens anpassen, sind aber teuer und nach der Fertigstellung nicht sehr flexibel. Analysten prophezeien ihnen - dank günstiger Arbeitskräfte in Osteuropa und Indien - trotzdem eine große Zukunft. Alternativ bieten große Collaboration-Anbieter “Oberflächen-Baukästen” an, mit denen sich Unternehmen eigene Oberflächen erstellen können, die sich optimal an ihre Arbeitsprozesse anpassen. (Eine Liste von Anbietern aus dem SAAS-/ASP-Bereich finden Sie hier.)
Vielleicht können diese neuen Intranets dazu beitragen, dass Prozesse in deutschen Unternehmen nicht mehr nur von der Chefetage modelliert werden, sondern auch auf die tägliche Praxis durchschlagen. Laut Business Process Report 2006 von IDS Scheer und PAC beschäftigen sich 80% der Unternehmen stark bis sehr stark mit Geschäftsprozessmanagement. “Die Befragten beurteilen zwar die Möglichkeiten zur Modellierung und Beschreibung der Prozesse größtenteils als gut, Mängel sehen sie jedoch bei der konkreten Umsetzung.” (zitiert nach i’X 8/2006, S. 25)

4CforMedia und Mediennetzwerke in Berlin

Thursday, October 5th, 2006

Im Rahmen unseres Forschungsprojektes 4CforMedia untersuchen wir Entwicklungen im Projektmanagement von Medienprojekten – insbesondere von bildschirmbasierten, digitalen Medien wie Websites (Inter-, Intra-, Extranets), DVDs und CD-Roms. Eine unserer aktuellen Schwerpunktthesen ist, dass es eine Entwicklung gibt, nach der Agenturen immer netzwerkartigere Strukturen annehmen, während von der anderen Seite Netzwerke immer mehr zu vollständigen Agenturen zusammen wachsen.
Aus diesem Grund führen wir unsere Interviews nicht nur mit Projektmanagern von großen Agenturen wie MetaDesign, Pixelpark oder Scholz & Friends, sondern auch mit den Initiatoren kleiner (KMU-) Netzwerke im Medienbereich. Auch wenn Netzwerke – insbesondere in der Multimedia-Branche – einige Zeit ein Thema der Forschung waren, ist das Interesse seit 2002 wieder abgeklungen. Interessanterweise haben sich in Berlin gerade in den seitdem vergangenen Jahren interessante Netzwerke gebildet. Zwei sehr verschiedene Netze mit komplett unterschiedlichem Hintergrund haben wir gestern besucht.

Ein erstes Netzwerker-Interview konnten wir gestern mit Andreas Gebhard und Markus Beckedahl, zwei Gründern des OpenSource-Netzwerks newthinking, führen. Dieses sehr professionell organisierte Netzwerk existiert seit 2004 (mit Vorläufern 2003) und umfasst einen Stamm von etwa 60 Freelancern. Aus dem ursprünglichen Netz entwickelten sich eine Reihe von Firmen, insbesondere der newthinking store (mit dem Schwerpunkt Open-Software-Migration) und die Agentur newthinking communications (Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit und Web-2.0-Beratung). Die Netzwerkarbeit wird vollständig aus dem laufenden Projektgeschäft finanziert. Dazu zählen neben der reinen Anbahnung von Projekten viele Informationsveranstaltungen wie der derzeit aus allen Nähten platzende „Web-Montag“ und politische Aktivitäten wie der ausgesprochen umfassende Blog “netzpolitik.org” von Markus Beckedahl.

Abends haben wir am „Stammtisch“ der PotsePeople teilgenommen, die einen vollkommen anderen Hintergrund aufweisen. Dieser Hintergrund wurde uns gleich beim ersten Stammtisch auf eindrucksvolle Weise nahe gebracht, als Mitglieder des Netzwerkes ihr Buch „Die Potsdamer Straße“ vorstellten. Die Potsdamer Straße hat eine lange Medien-Geschichte, die bis ins vorletzte Jahrhundert zurückreicht. Unter anderem wurde aus dem „Vox-Haus“ wurde 1923 die erste allgemeine Rundfunksendung ausgestrahlt, in den Hochzeiten befanden sich hier Unternehmen wie der Tagesspiegel und der Tip-Verlag und Einrichtungen wie die Film- und Fernseh-Akademie.
Dementsprechend leben und arbeiten noch immer viele Medienschaffende in dieser Gegend. Die PotsePeople haben sich – gefördert durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, das lokale Quartiersmanagement und andere – zur Aufgabe gemacht, diese anhaltend miteinander zu vernetzen und durch Veranstaltungen, PR und Weiterbildungen allen Beteiligten den Rücken zu stärken.

Navigation 2.0

Tuesday, October 3rd, 2006

Websites werden immer umfangreicher und sind mit klassischen Bordmitteln kaum noch zu navigieren. Eine neue Art der Bewegung durch die Themen im Netz wäre also angebracht. Soeben beginnt die Online-Werbung, die dazu passenden Technologien zu entwickeln. Der Artikel “Werbung 2.0″ von Ralf Grauel in der brand eins 10/06 brachte eine neue Entwicklung auf den Punkt: im Web 2.0 wird auch die Werbung raffinierter. Der Marktführer wunderLOOP (vormals 7d aus Hamburg) hat das System auf den klingenden Namen “Integrated Behavioral Targeting” getauft. Über mehrere Websites hinweg sollen damit die Clickstreams der Nutzer (und damit die von ihnen gelesenen Inhalte) analysiert werden, um ihnen dadurch die passende Werbung anbieten zu können. Das offenbar in Ruby on Rails programmierte System kombiniert die durch Webanalytics erfassten Daten wahlweise auch mit CRM-Daten und stellt aus beidem zusammen ein Nutzerprofil her, mit dem es die Interessen des Internetnutzers erfasst und ihm möglichst treffsicher die genau dazu passende Werbung serviert. Neben wunderLOOP arbeiten in Deutschland adLink und die T-Com-Tochter Interactive Media an solchen Methoden, die sie “Select Affinity” und “AdCatch” nennen.
Die Systeme funktionieren ganz ähnlich wie die von uns (4CforMedia-Team) in unserem Artikel für das Annual Multimedia 2007 vorgeschlagene kontextsensitive Navigation (Veröffentlichung vorauss. Dezember 2006). Hier werden fast identische Methoden genutzt, um den Nutzer bereits nach wenigen Mausklicken einer Interessengruppe zuzuordnen und ihm einen entsprechenden Weg durch den Jungel der Sites, Microsites, Spielen, aktuellen “Sonderfeatures”, Konfiguratoren und anderen digitalen Bestandteilen von Corporate Sites anzubieten, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben. Diese würde die langweilige hierarchische Navigation ersetzen, womit man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte. Erstens stimmt die Art, mit der einzelne Themen einem Begriff in der Navigation zugeordnet sind, meistens nicht mit den persönlichen Assoziationen des Nutzers überein - es gibt soviele “sinnvolle” Navigationssystematiken wie User. Ein System, das durch Zielgruppenheuristik vernünftige Vorschläge für verwandte Themen macht, ist also allemal effektiver und würde uns häufig einen Umweg über die Sitemap ersparen. Und zweitens - und das ist fast noch wichtiger - würden damit die Diskussionen mit den Ansprechpartnern im Hause des Kunden entfallen, welcher Menüpunkt wo hingehört - denn auch die haben alle unterschiedliche Ordnungskriterien für Navigationen, die ihren jeweils eigenen Assoziationsketten entsprechen.
Auch wenn es einerseits Schade ist, dass solche Technologien sich immer dort entwickeln, wo es darum geht, möglichst effizient zu verkaufen, ist dieser Motor wohl nötig, um gute Systeme auf den Weg zu bringen. Mein Vorschlag: Lasst uns die Intelligenz jetzt nutzen, um nicht nur effektiv zu verkaufen, sondern auch, um effektiv zu navigieren. Klauen wir dem Nutzer nicht nur seine Daten, sondern helfen wir ihm damit wenigstens anschließend, den Content zu finden, den er sucht.