Navigation 2.0

Websites werden immer umfangreicher und sind mit klassischen Bordmitteln kaum noch zu navigieren. Eine neue Art der Bewegung durch die Themen im Netz wäre also angebracht. Soeben beginnt die Online-Werbung, die dazu passenden Technologien zu entwickeln. Der Artikel “Werbung 2.0″ von Ralf Grauel in der brand eins 10/06 brachte eine neue Entwicklung auf den Punkt: im Web 2.0 wird auch die Werbung raffinierter. Der Marktführer wunderLOOP (vormals 7d aus Hamburg) hat das System auf den klingenden Namen “Integrated Behavioral Targeting” getauft. Über mehrere Websites hinweg sollen damit die Clickstreams der Nutzer (und damit die von ihnen gelesenen Inhalte) analysiert werden, um ihnen dadurch die passende Werbung anbieten zu können. Das offenbar in Ruby on Rails programmierte System kombiniert die durch Webanalytics erfassten Daten wahlweise auch mit CRM-Daten und stellt aus beidem zusammen ein Nutzerprofil her, mit dem es die Interessen des Internetnutzers erfasst und ihm möglichst treffsicher die genau dazu passende Werbung serviert. Neben wunderLOOP arbeiten in Deutschland adLink und die T-Com-Tochter Interactive Media an solchen Methoden, die sie “Select Affinity” und “AdCatch” nennen.
Die Systeme funktionieren ganz ähnlich wie die von uns (4CforMedia-Team) in unserem Artikel für das Annual Multimedia 2007 vorgeschlagene kontextsensitive Navigation (Veröffentlichung vorauss. Dezember 2006). Hier werden fast identische Methoden genutzt, um den Nutzer bereits nach wenigen Mausklicken einer Interessengruppe zuzuordnen und ihm einen entsprechenden Weg durch den Jungel der Sites, Microsites, Spielen, aktuellen “Sonderfeatures”, Konfiguratoren und anderen digitalen Bestandteilen von Corporate Sites anzubieten, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben. Diese würde die langweilige hierarchische Navigation ersetzen, womit man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte. Erstens stimmt die Art, mit der einzelne Themen einem Begriff in der Navigation zugeordnet sind, meistens nicht mit den persönlichen Assoziationen des Nutzers überein - es gibt soviele “sinnvolle” Navigationssystematiken wie User. Ein System, das durch Zielgruppenheuristik vernünftige Vorschläge für verwandte Themen macht, ist also allemal effektiver und würde uns häufig einen Umweg über die Sitemap ersparen. Und zweitens - und das ist fast noch wichtiger - würden damit die Diskussionen mit den Ansprechpartnern im Hause des Kunden entfallen, welcher Menüpunkt wo hingehört - denn auch die haben alle unterschiedliche Ordnungskriterien für Navigationen, die ihren jeweils eigenen Assoziationsketten entsprechen.
Auch wenn es einerseits Schade ist, dass solche Technologien sich immer dort entwickeln, wo es darum geht, möglichst effizient zu verkaufen, ist dieser Motor wohl nötig, um gute Systeme auf den Weg zu bringen. Mein Vorschlag: Lasst uns die Intelligenz jetzt nutzen, um nicht nur effektiv zu verkaufen, sondern auch, um effektiv zu navigieren. Klauen wir dem Nutzer nicht nur seine Daten, sondern helfen wir ihm damit wenigstens anschließend, den Content zu finden, den er sucht.

One Response to “Navigation 2.0”

  1. Für interessierte: im AdZine gibt es ein interessantes Interview mit dem wunderLOOP-Gründer und -Geschäftsführer Ulrich Hegge unter http://www.adzine.de/de/site/contentfcmsv444f75f4f1c0a0/nl_opener.xml#fcmsv444f756d0eef52

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