Im Rahmen unseres Forschungsprojektes 4CforMedia untersuchen wir Entwicklungen im Projektmanagement von Medienprojekten – insbesondere von bildschirmbasierten, digitalen Medien wie Websites (Inter-, Intra-, Extranets), DVDs und CD-Roms. Eine unserer aktuellen Schwerpunktthesen ist, dass es eine Entwicklung gibt, nach der Agenturen immer netzwerkartigere Strukturen annehmen, während von der anderen Seite Netzwerke immer mehr zu vollständigen Agenturen zusammen wachsen.
Aus diesem Grund führen wir unsere Interviews nicht nur mit Projektmanagern von großen Agenturen wie MetaDesign, Pixelpark oder Scholz & Friends, sondern auch mit den Initiatoren kleiner (KMU-) Netzwerke im Medienbereich. Auch wenn Netzwerke – insbesondere in der Multimedia-Branche – einige Zeit ein Thema der Forschung waren, ist das Interesse seit 2002 wieder abgeklungen. Interessanterweise haben sich in Berlin gerade in den seitdem vergangenen Jahren interessante Netzwerke gebildet. Zwei sehr verschiedene Netze mit komplett unterschiedlichem Hintergrund haben wir gestern besucht.
Ein erstes Netzwerker-Interview konnten wir gestern mit Andreas Gebhard und Markus Beckedahl, zwei Gründern des OpenSource-Netzwerks newthinking, führen. Dieses sehr professionell organisierte Netzwerk existiert seit 2004 (mit Vorläufern 2003) und umfasst einen Stamm von etwa 60 Freelancern. Aus dem ursprünglichen Netz entwickelten sich eine Reihe von Firmen, insbesondere der newthinking store (mit dem Schwerpunkt Open-Software-Migration) und die Agentur newthinking communications (Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit und Web-2.0-Beratung). Die Netzwerkarbeit wird vollständig aus dem laufenden Projektgeschäft finanziert. Dazu zählen neben der reinen Anbahnung von Projekten viele Informationsveranstaltungen wie der derzeit aus allen Nähten platzende „Web-Montag“ und politische Aktivitäten wie der ausgesprochen umfassende Blog “netzpolitik.org” von Markus Beckedahl.
Abends haben wir am „Stammtisch“ der PotsePeople teilgenommen, die einen vollkommen anderen Hintergrund aufweisen. Dieser Hintergrund wurde uns gleich beim ersten Stammtisch auf eindrucksvolle Weise nahe gebracht, als Mitglieder des Netzwerkes ihr Buch „Die Potsdamer Straße“ vorstellten. Die Potsdamer Straße hat eine lange Medien-Geschichte, die bis ins vorletzte Jahrhundert zurückreicht. Unter anderem wurde aus dem „Vox-Haus“ wurde 1923 die erste allgemeine Rundfunksendung ausgestrahlt, in den Hochzeiten befanden sich hier Unternehmen wie der Tagesspiegel und der Tip-Verlag und Einrichtungen wie die Film- und Fernseh-Akademie.
Dementsprechend leben und arbeiten noch immer viele Medienschaffende in dieser Gegend. Die PotsePeople haben sich – gefördert durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, das lokale Quartiersmanagement und andere – zur Aufgabe gemacht, diese anhaltend miteinander zu vernetzen und durch Veranstaltungen, PR und Weiterbildungen allen Beteiligten den Rücken zu stärken.