Vom Intranet zur Universalsoftware

Intranets waren einmal ganz klar eine Aufgabe für Agenturen. Die Aufgabe war im wesentlichen gestalterischer Art: es ging darum, die täglichen News der Firmenleitung (oder “Corporate Communications”) schön und CI-konform zu präsentieren. Dann kam die Zeiterfassung, die man über dieselbe Oberfläche bearbeiten konnte, zeitliche Auswertungen und andere projektmanagementbezogene Möglichkeiten. Schließlich wurde das Adressverzeichnis automatisiert, der Vertrieb integrierte eine Kundendatenbank aus dem CRM-System und die IT-Abteilung ein Collaboration-Tool für die Zusammenarbeit mit Externen.
Das gute alte Informationsmedium Intranet wird immer mehr zu einer Softwareoberfläche. Auch wenn serviceorientierte Software (SOA) immer noch in vielen deutschen Firmen stiefmütterlich behandelt wird (Asien und die USA sind da weiter vorne), gibt es immer mehr Programme, die Services anbieten und sich so unter einer neuen Oberfläche zusammenfassen lassen. Dafür kommen zwei Vorgehensweisen in Betracht: “handgestrickte” Oberflächen lassen sich genauer auf die Arbeitsabläufe und die CI des Unternehmens anpassen, sind aber teuer und nach der Fertigstellung nicht sehr flexibel. Analysten prophezeien ihnen - dank günstiger Arbeitskräfte in Osteuropa und Indien - trotzdem eine große Zukunft. Alternativ bieten große Collaboration-Anbieter “Oberflächen-Baukästen” an, mit denen sich Unternehmen eigene Oberflächen erstellen können, die sich optimal an ihre Arbeitsprozesse anpassen. (Eine Liste von Anbietern aus dem SAAS-/ASP-Bereich finden Sie hier.)
Vielleicht können diese neuen Intranets dazu beitragen, dass Prozesse in deutschen Unternehmen nicht mehr nur von der Chefetage modelliert werden, sondern auch auf die tägliche Praxis durchschlagen. Laut Business Process Report 2006 von IDS Scheer und PAC beschäftigen sich 80% der Unternehmen stark bis sehr stark mit Geschäftsprozessmanagement. “Die Befragten beurteilen zwar die Möglichkeiten zur Modellierung und Beschreibung der Prozesse größtenteils als gut, Mängel sehen sie jedoch bei der konkreten Umsetzung.” (zitiert nach i’X 8/2006, S. 25)

3 Responses to “Vom Intranet zur Universalsoftware”

  1. [...] Die neulich von mir beschriebene Vision des Intranet-Baukastens, mit dem man verschiedene Softwaremodule zu einem Unternehmensworkflow zusammenbauen kann, hat einen riesigen neuen Legostein dazubekommen: Adobe schickt mit Apollo ein neues System in den Orbit, das es ermöglichen soll, Rich Internet Applications (RIA) als Desktop-Programme laufen zu lassen: “Apollo is the code name for a cross-operating system runtime being developed by Adobe that allows developers to […] build and deploy Rich Internet Applications (RIAs) to the desktop.” Auf diese Weise entwickelte Oberflächen haben den großen Vorteil, dass sie auch für Telearbeiter über das Internet angeboten werden können: One description fits all! Ryan Steward hat jetzt beeindruckende Screenshots der ersten mit Apollo erstellten Prototypen ins Netz gestellt. [...]

  2. [...] Zum Thema “Intranets werden zur Benutzeroberfläche des Unternehmens” (siehe Vom Intranet zur Universalsoftware): Die neue Release der Portalentwicklungsplattform Intrexx wird ein Wiki integrieren, mit dessen Hilfe Mitarbeiter unstrukturierte Daten einstellen können. Diese Daten können wiederum mit Prozessen in Verbindung gebracht werden, indem man sie über den Prozess Manager von Intrex in den Workflow einbindet! [...]

  3. [...] Schon wieder neue Meldungen zum Thema “Intranets werden zur Benutzeroberfläche des Unternehmens” (siehe Vom Intranet zur Universalsoftware): Lotus Sametime 7.5 bietet Video Conferencing und Podcasts für die Unternehmens-Oberfläche: Michael Rhodin, General Manager, Lotus Software, IBM, erläutert: “Lotus Sametime 7.5 ist die erste integrierte Kommunikationsplattform für Unternehmen, die Instant Messaging, Web Conferencing und Sprachanwendungen einschließt.” (Quelle: Lotus Sametime 7.5 als die integrierte Plattform) So wird VC ein ganz selbstverständlicher Teil der Unternehmenskommunikation. Allen Unkenrufen (Telearbeit sei nur Science Fiction) zum Trotz ist damit der Übergang zwischen virtuellem und realem Arbeitsplatz wieder ein Stückchen in die Virtualität verschoben worden. Auch der Hardware-Hersteller Intel wagt sich in diesen Bereich vor und setzt voll auf Social Intelligence und Web 2.0. Laut silicon.de arbeitet Intel mit vielen einschlägigen Anbietern (Six Apart, Socialtext, NewsGator und SimpleFeed) zusammen, um sich mit der Internet Business Suite namens ‘SuiteTwo’ einen Einstieg in den Collaboration-Markt zu sichern. [...]

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