Archive for November, 2006

BPM in privaten Anwendungsbereichen?

Sunday, November 12th, 2006

Idee:
vielleicht werden Geschäftsprozess-Management und –Monitoring sich auf die private Nutzung (Aufgabenverwaltung, Ablauf von Standard-Abläufen, etwa bei DM-Bildverarbeitungen) auswirken bzw. auswirken wie die Rationalisierung von Arbeitsabläufen durch Ford auf die Frankfurter Küche…

VideoConferencing für die “Unternehmens- Oberfläche”

Saturday, November 11th, 2006

Schon wieder neue Meldungen zum Thema “Intranets werden zur Benutzeroberfläche des Unternehmens” (siehe Vom Intranet zur Universalsoftware):
Lotus Sametime 7.5 bietet Video Conferencing und Podcasts für die Unternehmens-Oberfläche:

Michael Rhodin, General Manager, Lotus Software, IBM, erläutert: “Lotus Sametime 7.5 ist die erste integrierte Kommunikationsplattform für Unternehmen, die Instant Messaging, Web Conferencing und Sprachanwendungen einschließt.”

(Quelle: Lotus Sametime 7.5 als die integrierte Plattform.)

So wird VC ein ganz selbstverständlicher Teil der Unternehmens- Kommunikation. Allen Unkenrufen (Telearbeit sei nur Science Fiction) zum Trotz ist damit der Übergang zwischen virtuellem und realem Arbeitsplatz wieder ein Stückchen in die Virtualität verschoben worden.

Auch der Hardware-Hersteller Intel wagt sich in diesen Bereich vor und setzt voll auf Social Intelligence und Web 2.0. Laut silicon.de
arbeitet Intel mit vielen einschlägigen Anbietern (Six Apart, Socialtext, NewsGator und SimpleFeed) zusammen, um sich mit der Internet Business Suite namens ‘SuiteTwo’ einen Einstieg in den Collaboration-Markt zu sichern.

CEO: Die Jüngeren kennen keine Grenzen beim Teilen von Informationen

Saturday, November 11th, 2006

Nach einer aktuellen Umfrage des Beratungshauses PricewaterhouseCoopers (PWC) unter 153 Entscheidern glauben 83 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass technisches Wissen gepaart mit kreativem und kollaborativem Denken auszusterben droht. Die Suche nach kreativen IT-Mitarbeitern gestalte sich schwierig. 55 Prozent gaben an, dass mathematische, wissenschaftliche und technische Talente in Indien und China heute leichter zu bekommen sind als im “Westen”. (Zitiert nach: Firmen suchen händeringend IT-Manager mit Ideen)

Im Studiengang Druck- und Medientechnik an der Technischen Fachhochschule in Berlin (TFH Berlin) versuchen wir daher, die Studierenden so umfassend wie möglich mit den neuen Technologien vertraut zu machen: von kollaborativem Tagging auf del.ici.us über Wikis bis zum virtuellen Studiengang auf Basis der Plattform Adobe/Macromedia Breeze. Denn nur wer viele Möglichkeiten kennt, kann diese auf neue und ungewohnte Weise miteinander verknüpfen. Und für wen die Zusammenarbeit über das Internet tägliche Normalität ist, der kann auch in Unternehmen erreichen, dass sie von der Effektivität der kollaborativen Intelligenz profitieren. Grundlage für die Zusammenarbeit in den meisten Fächern ist auch die eLearning- und Kollaborationsplattform Moodle, deren Vorteile hier gerade nochmal dargelegt wurden. Laut einem Interview von Steve Hargadon entstand die OpenSource-Plattform aus den frühen Erfahrungen mit Remote-Lernen des “Creator of Moodle”, Martin Dougiamas in der australischen Einöde.

Nicht alle teilen denn auch PWC’s Zukunfts-Skeptizismus in Bezug auf das Abendland. So meint Robert Ashe, CEO des Business-Intelligence-Anbieters Cognos über seine Kunden:

“Heute ist die Belegschaft aber in der Lage, IT-Anwendungen zu schätzen. Ich würde die Mehrheit von ihnen, gerade die Jüngeren, sogar als absolute IT-Kenner bezeichnen, die Informationen zu jeder Zeit an jedem Ort und aus jedem Gerät heraus erwarten”, sagte der Manager. Sie kennen ihm zufolge keine Grenzen und Schranken, wenn es darum geht Informationen zu lesen und zu teilen. Sie wachsen damit auf.

Quelle: “Cognos erweitert BI-Suite für die Westentasche”.
Im selben Artikel sieht Ashe auch das Verhältnis von Westen und Osten ganz anders als die oben zitierte Studie:

“Japan und China sind in der Akzeptanzkurve noch sehr am Anfang.” Er schiebt das auf die konsensorientierte Unternehmenskultur und die geschlossene Arbeitsweise mit Informationen. “BI erfordert das Teilen von Informationen”, riss er die Fragen in diesem Markt kurz an. Wiederum ganz anders gehe es in den USA zu, wo der IT-Leiter angehalten wird, Best of Breed einzukaufen. Begeistert zeigte er sich von Nordeuropa - die offene Arbeitskultur dort bezeichnete er als sehr BI-freundlich. “So offen wünschen wir uns unsere Kunden”, sagte Rob Ashe.

Na also. Noch nicht aller Tage Abend.

Enterprise 2.0

Saturday, November 11th, 2006

Die Wirtschaftswelt entdeckt den Ameisenhaufen als Vorbild (Der Ameisenhaufen als Vorbild für das Enterprise 2.0). Professor Andrew McAfee von der Harvard Business School:

“Wenn man eine Ameisenkolonie beobachtet, erscheint es, als gebe es irgendwo ein großes Gehirn.”

Das Thema kommt uns aus der Chaos-Debatte der 90er Jahre irgendwie bekannt vor. Damals wurde unter dem Begriff “Emergenz” eine neue Qualität beschrieben, die sich aus den Verhaltens-Einzelteilen eines Systems ergibt, aber mehr ist als die Summe der Teile: erst durch das Zusammenspiel entsteht etwas Neues, Mächtigeres und Effizienteres.

Dass das auch für Unternehmen interessant sein kann, bestätigt Gartner mit seiner Definition des Begriffes Web 2.0:

Das Marktforschungsunternehmen hat sich zur Verleihung allerdings die Mühe gemacht, vier Schlüsseltechnologien und -Trends herauszusuchen, die den Hype fassbarer machen und kurzfristig prägen sollen. Dazu gehören Ajax, Mashup, Social Network Analysis (SNA) und die ‘Kollektive Intelligenz’. Die ersten drei sollen bereits in den nächsten zwei Jahren ein hohes Maß an Reife erreicht haben.

(Quelle: silicon.de: “Web 2.0 auf dem Gipfel der Hype-Kurve”)

Demnach wird die ‘Kollektive Intelligenz’ die nächste Stufe der Entwicklung sein.

Kollektive Intelligenz hat laut Gartner noch einen fünf- bis zehnjährigen Reifeprozess vor sich. Sie hat allerdings das Potenzial, große Veränderungen herbeizuführen. Es handelt sich dabei um die kollektive Entwicklung von Inhalten, geistigen Gütern wie Software, aber auch von Verknüpfungen und Entscheidungen. Einen Vorgeschmack davon haben in den letzten Jahren die Open-Source-Bewegung und Wikipedia geliefert, Gartner sagt allerdings eine Verbreitung dieser Arbeitsweise auf praktisch alle Lebensbereiche voraus.

(Quelle: ebenda).

Ein wesentlicher Faktor, um diese Intelligenz auch in Unternehmen zu nutzen, ist allerdings die Freiheit der Mitarbeiter und ein Abgehen von streng hierarchischen Strukturen.
In einem Gespräch beim Web-Montag von newthinking erzählte mir der Unternehmensberater Frank Martin Hein (Website) von seinen Befragungen in Unternehmen, zu denen er demnächst ein Buch veröffentlichen will. Seinen Befragungen nach wollen Manager das Intranet - und entsprechende Web-2.0-Werzeuge zur Unternehmenskommunikation - vor allem dazu nutzen, um Direktiven an ihre Untergebenen zu verteilen. Daran scheitern viele dieser Instrumente (sie sollten eigentlich vor allem in der anderen Richtung funktionieren!). Da Netzwerke per definitionem weniger Weisungs-Hierarchien verfügen - jedenfalls, wenn man die Definiton von Sydow (”zwischen Markt und Hierarchie”) zugrunde legt - wäre es interessant zu erfahren, wie diese Instrumente in Netzwerken eingesetzt werden und ob sie sich dort besser durchsetzen. Da sie vermutlich sehr sinnvoll für die unternehmensinterne Kommunikation sind, würde das einen Wettbewerbsvorteil von Netzwerken gegenüber hierarchischen Unternehmen bedeuten.

Um die Ergebnisse darzustellen und zu beurteilen, gibt es jetzt eine Analyse-Software für Social Networks im Unternehmen. Die schweizerische Firma shiftTHINK bietet ihre Analyse-Software ‘Connect 1.0′ vorerst als öffentliche Beta-Version zum Test an:

Connect soll beispielsweise als Ergänzung zu Customer Relationship Management Systemen einen konkreten Mehrwert bringen. Die durch heutige Systeme nicht erkennbaren Strukturen und Verbindungen, die als Vorgänge in sozialen Netzen liegen, ließen sich so nicht nur erkennen, sondern auch aufbereiten und darstellen.

Demnach kann die Technik nicht nur unternehmensintern eingesetzt werden, sondern auch zur Analyse des Kundenumfeldes im Bereich CRM.

Mühsam näh(e)rt sich das Bloghörnchen

Monday, November 6th, 2006

In einem Artikel der monatlichen iBusiness-Printausgabe war neulich ein schöner Kommentar: “Alle Werber, mit denen wir gesprochen haben, hatten die Befürchtung, sie könnten die Interpretationshoheit über die Marke verlieren” (sinngemäß). Dass ihnen diese Übung schwer fällt, war zu erwarten - so wie das Pflänzchen Marke bisher gehegt und gepflegt wurde. Interessant auch die Erkenntnis im Kontext des Artikels: am besten kommen die destruktiven Beiträge an (gemeint waren Videos von Bottle Rockets aus Menthos und Cola Light).

Isses wahr. Eigentlich wird es doch Zeit, dass mal wieder ein bisschen Spaß in die Sache kommt. Nicht nur Biermarken sind in Deutschland bisher eine bierernste Angelegenheit: lauter nette Menschen, die immer fröhlich sind - jedenfalls, solange sie … konsumieren. “Bloß niemandem auf den Schlips treten” ist die Devise.

Grob missverstanden wurde das Medium denn auch von Vichy, die sich laut Berlecon-Research-Weblog
nur zu einem Fake mit falschen Bloggern durchringen konnten:

Sich offen – und vor allem öffentlich – der Kritik von Mitarbeitern und Kunden zu stellen, ist für viele Unternehmen ein schwieriger Schritt. Das zeigt das Beispiel der Kosmetikmarke Vichy, die in ihrem Blog zunächst keine echten, kritischen Kunden, sondern eine erfundene Kundin namens Claire, zu Wort kommen ließ. Erst nach heftiger Kritik aus der Blogging-Szene ging das Unternehmen dazu über, sich tatsächlich und authentisch mit der Meinung der Kunden auseinanderzusetzen.

Andere Firmen tasten sich langsam an das Thema heran und üben in abgeschlossenen Bereichen. So berichtet Martin Oetting im Connected-Marketing-Blog von Schweppes, die erst mal im Kleinen geübt haben und schreibt weiter:

Für mich lassen sich zwei verwandte Trends an dieser Sache ablesen - auf dem Weg hin zu eigenen Blogs können Unternehmen einerseits erst einmal mit ausgewählten Blog-Funktionalitäten experimentieren. Desweiteren glaube ich, dass Blogs und klassische Websites künftig immer weniger voneinander zu trennen sein werden.

Ich finde diese Schlussfolgerung naheliegend - die aktuellste Website ist nun mal eine, die ununterbrochen aktualisiert wird. Aber bis die großen Marken dort ankommen, ist es wohl noch ein weiter Weg.

OpenLaszlo mehrkanalfähig: LZX-Format jetzt auch als AJAX exportierbar

Saturday, November 4th, 2006

Laszlo Systems ist im Jahr 2000 mit der Idee angetreten, internetfähige Softwareoberflächen mit guter Usability in einer XML-Sprache zu beschreiben, mit der man anschließend nicht nur eine Art von Oberfläche erzeugen kann (wie z.B. Flash), sondern die man für unterschiedliche Systeme gleichzeitig verwenden kann: einmal erstellen - in mehreren Ausgabeformaten benutzen (Desktop-Oberflächen, Flash-Player, Browser).
Diese großartige Idee krankte damals daran, dass Flash das einzige internetfähige Ausgabeformat war, das eine für Softwareoberflächen ausreichende Usability erlaubte. Auch wenn es immer noch das performanteste für diese Zwecke ist, hat AJAX mittlerweile stark aufgeholt. Die Zeit war reif für “Projekt OpenLaszlo Legals”, bei dem Laszlo zu einer echten “multi-runtime platform” ausgebaut wird. Auch wenn bisher schon hervorragende Anwendungen auf Basis dieser Technologie erstellt wurden, war dieser Schritt überfällig: Mit dem proprietären Flash als einzigem Ausgabeformat drohte die OpenSource-Plattform OpenLaszlo in der OpenSource-Szene an Glaubwürdigkeit (”Street Credibility”) zu verlieren.

Während das “alte” OpenLaszlo-Format “nur” SWF-Dateien für die Flash-Player der Versionen 6, 7 und 8 exportieren konnte, wird Laszlo Legals auch auf Flash-Player 9 und in DHTML (Dynamic HTML bzw. Ajax) exportieren können. Laut Projektplan soll Laszlo Legal im ersten Quartal 2007 voll einsatzfähig sein.
Einige beeindruckende Beispiele finden sich bereits auf den Laszlo-Demo-Seiten, die ohnehin immer eine Reise wert sind. Achten Sie auf die zwei Links “Launch Flash Application | Launch DHTML Application” hinter den ersten Beispielanwendungen und vergleichen Sie die Ergebnisse!

Die Laszlo-Demos sind auch für ein anderes Einsatzgebiet sehr interessant: wenn Sie unterrichten und jemandem den Sinn von XML erklären wollen, können Sie über den Link “View Source” den dazugehörigen Code anzeigen. Im nächsten Schritt kann man über den Laszlo Explorer (”Interactive Language Overview”) gemeinsam ausprobieren, wie der Code zu verschiedenen anschaulichen Beispiel-Anwendungen aussieht. Und was noch besser ist: man kann den Code im Scripting-Fenster verändern, auf “Update” klicken - und im rechten Fenster wird sofort das Resultat sichtbar. Ein anschaulicheres Beispiel für den Einsatz von XML-Formaten ist derzeit schwer zu finden. Viel Spaß!

Projekt Orbit: OpenLaszlo auf J2ME

Saturday, November 4th, 2006

Sun Microsystems and Laszlo Systems, Inc, haben sich im Projekt Orbit zusammen geschlossen, um OpenLaszlo auf der Java2 Micro Edition (J2ME) einsatzbereit zu machen. Damit kann LZX, die XML-Sprache für OpenLaszlo, auf 3,8 Milliarden Endgeräten genutzt werden. Davon sind allein 1,2 Mrd. Telefone, der Rest sind PDAs, TV Set-Top-Boxen und Drucker.

Sun Microsystems and Laszlo Systems, Inc, have announced that they will be working together to enable OpenLaszlo applications to run on devices supporting the Java™ Platform, Micro Edition (Java ME) application platform. With this move, Sun and Laszlo are actively contributing resources to a new project for the OpenLaszlo community, code-named Orbit.

Mit OpenLaszlo erstellte Oberflächen können jetzt also auch in diesem Bereich genutzt werden.

Erste Intranet-Produkte setzen auf 2.0

Saturday, November 4th, 2006

Zum Thema “Intranets werden zur Benutzeroberfläche des Unternehmens” (siehe Vom Intranet zur Universalsoftware):
Die neue Release (November 2006) der Portalentwicklungsplattform Intrexx wird ein Wiki integrieren, mit dessen Hilfe Mitarbeiter unstrukturierte Daten einstellen können. Diese Daten können wiederum mit Prozessen in Verbindung gebracht werden, indem man sie über den Prozess Manager von Intrexx in den Workflow einbindet!

Daneben bietet Intrexx verschiedene vorkonfigurierte Lösungen für unterschiedliche Aufgabenbereiche - unter anderem für Projektmanagement!

Intrexx Xtreme Projekt-Studio IX3PR

Intrexx Xtreme Projekt-Studio ist eine moderne Projektmanagement-Lösung. Im Mittelpunkt stehen die beteiligten Teammitglieder. Das gewährleistet zu jedem Zeitpunkt ein Höchstmaß an Aktualität aller Informationen.

Hier entsteht ein vollkommen neuer Markt: nicht nur die Workflow-Management-Lösung wird geliefert, sondern die Workflows gleich dazu.

Gefunden in:
Wiki hält Einzug im Intranet
Unter dem Begriff “Web 2.0″ erleben Wikis und Blogs gerade Rekord-Wachstumsraten im Internet. Auch für Unternehmen kann diese Form des Wissensmanagements in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Hype - Trend - Tendenz

Saturday, November 4th, 2006

Das Haus der Zukunft ist aus Kieselsteinchen gemauert. Sie sind winzig und man übersieht sie leicht. Erst wenn drei, zehn, zwanzig oder hundert eine Reihe bilden, zeichnet sich eine Linie ab. Mit viel Glück wird sie von jemandem erkannt. Der ruft einen Trend aus und die Wissenschaft stürzt sich darauf und entwickelt Visionen. Plötzlich ist alles nur noch „Tele“ die ganze Welt ist „Chaos“ und „Netzwerk“ oder „cutomer driven“.
Nur eben immer hübsch eins nach dem anderen: eine zeitlang ist sie nur telematisch und es werden Visionen verkündet, in denen zwei Menschen niemals mehr direkt und per Schallwelle miteinander kommunizieren werden. Ein paar Jahre später ist alles so dermaßen kundengetrieben, dass kein Unternehmer mit Ideen, keine Werbung und kein Produkt von der Stange mehr eine Existenzberechtigung haben. Wenn alle das Thema satt haben ist plötzlich alles wieder Netzwerk, der neue „Hype“, und unsere Trends von gestern sind nur Schall und Rauch.
Zum Glück leben wir in einer heterogenen Gesellschaft, zu der außer Visionären auch Pragmatiker gehören. Die räumen anschließend die Zukunftsbaustelle wieder auf. Es ist auch nicht schwer, sehr eindrücklich zu belegen, dass es immer noch Menschen gibt, die sich von Angesicht zu Angesicht unterhalten oder Firmen, die in ganz normalen Abteilungen wie eh und jeh ihre Arbeit verrichten. War also alles nur ein Hype. Da lagen eben ein paar Kieselsteine nebeneinander und die Hohepriester der Moderne haben deswegen gleich das große Kaffeesatzlesen veranstaltet.
Als intelligente Menschen können wir diese Argumentation nachvollziehen. Eigentlich haben wir es immer schon gewußt: alles bleibt wie es war und wir können gemütlich weiter wursteln. Umdenken nicht erforderlich, Gott sei`s gedankt.
Trotzdem: die Zukunft wächst vor unseren Augen. Und nur weil jede Linie in einer anderen Richtung verläuft, ist sie trotzdem noch vorhanden – auch wenn jemand eine neue entdeckt. Rein nach den Regeln der Statik, denen Gebäude nun einmal folgen müssen, ist es sogar zwingend erforderlich, dass es nicht nur eine Richtung gibt: ohne Stützen beziehungsweise Mauern in andere Richtungen wird das Ganze eine reichlich wackelige Angelegenheit.
Mit „Tele“ war das so. Als wir 1998 eine Architektursimulation erstellten und dabei ausschließlich über Videoconferencing zusammen arbeiteten, wurden wir von Silicon Graphics (SGI) gesponsort. Anders wäre es gar nicht möglich gewesen: Diese Workstations waren damals die einzigen Rechner, die serienmäßig mit Videokameras, Mikros und der entsprechenden Software ausgerüstet waren. Die Pragmatiker, die damals anmerkten, dass man so nicht zusammen arbeiten kann, behielten insofern Recht, als wir heute auch räumlich gerne wieder zusammen sitzen. Trotzdem ist aus ein paar Kieselsteinchen bereits ein solides Mäuerchen geworden: Kamera und Skype gehören heute zu einer soliden Wohnzimmereinrichtung wie die Ledergarnitur, und die Audio-, Chat- oder Videokommunikation ist in vielen Kreisen weitgehend massenkompatibel geworden.

Diesen Mauern beim Wachsen zuzusehen kostet mehr Geduld, als das Gras wachsen zu hören. Sehen wir uns also einige der Mäuerchen aus den letzten Jahren an und behalten im Hinterkopf, dass es sich dabei um sehr, sehr langsame Prozesse handelt. Zwei branchenübergreifend immer wieder gern diskutierte Wände sind Web 2.0 (was immer man darunter genau versteht) und Customer Relationship Management. Wer hatte noch diesen netten Spruch über Jesus gebracht? Da kam einer nach jahrelanger Gewalt und sagte, dass es vielleicht ganz nett wäre, wenn die Leute einfach mal wieder nett zueinander wären. Und wurde ans Kreuz genagelt.
Die Mauern CRM und Web 2.0 laufen in die selbe Richtung. Nach jahrelanger Werbe-Belullung und Bevormundung kam jemand auf den Gedanken, den Kunden zu fragen, was er eigentlich gerne hätte und wie er das vorhandene Angebot so findet. Glücklicherweise ist nicht bekannt, was sie mit dem gemacht haben. Vermutlich ist er kurz nach Abklingen des Hypes von Pragmatikern gesteinigt worden.
Sicher: es gibt noch (sehr erfolgreiche) Firmen, die sich ihre Produkte selbst ausdenken. Es gibt auch noch Zeitungen und Kritiker, kommerzielle Websites und die Stiftung Warentest. Offensichtlich haben diese aber die Bedürfnisse der Selbstbestimmung und des Vertrauens nur unzureichend gedeckt – was ihnen nicht die Daseinsberechtigung abspricht, im Gegenteil. Aber es gab Lücken, die mit anderen Kieseln gestopft wurden. Etwa mit Blogs, Foren und Rankings. Oder mit Kundenbefragungen und einem Kundendienst, der die eine oder andere Kritik des Kunden auch mal an die Geschäftsleitung weiter leitet.

(to be continued…)