In einem Artikel der monatlichen iBusiness-Printausgabe war neulich ein schöner Kommentar: “Alle Werber, mit denen wir gesprochen haben, hatten die Befürchtung, sie könnten die Interpretationshoheit über die Marke verlieren” (sinngemäß). Dass ihnen diese Übung schwer fällt, war zu erwarten - so wie das Pflänzchen Marke bisher gehegt und gepflegt wurde. Interessant auch die Erkenntnis im Kontext des Artikels: am besten kommen die destruktiven Beiträge an (gemeint waren Videos von Bottle Rockets aus Menthos und Cola Light).
Isses wahr. Eigentlich wird es doch Zeit, dass mal wieder ein bisschen Spaß in die Sache kommt. Nicht nur Biermarken sind in Deutschland bisher eine bierernste Angelegenheit: lauter nette Menschen, die immer fröhlich sind - jedenfalls, solange sie … konsumieren. “Bloß niemandem auf den Schlips treten” ist die Devise.
Grob missverstanden wurde das Medium denn auch von Vichy, die sich laut Berlecon-Research-Weblog
nur zu einem Fake mit falschen Bloggern durchringen konnten:
Sich offen – und vor allem öffentlich – der Kritik von Mitarbeitern und Kunden zu stellen, ist für viele Unternehmen ein schwieriger Schritt. Das zeigt das Beispiel der Kosmetikmarke Vichy, die in ihrem Blog zunächst keine echten, kritischen Kunden, sondern eine erfundene Kundin namens Claire, zu Wort kommen ließ. Erst nach heftiger Kritik aus der Blogging-Szene ging das Unternehmen dazu über, sich tatsächlich und authentisch mit der Meinung der Kunden auseinanderzusetzen.
Andere Firmen tasten sich langsam an das Thema heran und üben in abgeschlossenen Bereichen. So berichtet Martin Oetting im Connected-Marketing-Blog von Schweppes, die erst mal im Kleinen geübt haben und schreibt weiter:
Für mich lassen sich zwei verwandte Trends an dieser Sache ablesen - auf dem Weg hin zu eigenen Blogs können Unternehmen einerseits erst einmal mit ausgewählten Blog-Funktionalitäten experimentieren. Desweiteren glaube ich, dass Blogs und klassische Websites künftig immer weniger voneinander zu trennen sein werden.
Ich finde diese Schlussfolgerung naheliegend - die aktuellste Website ist nun mal eine, die ununterbrochen aktualisiert wird. Aber bis die großen Marken dort ankommen, ist es wohl noch ein weiter Weg.