Sie ging sehr ruhig los, die Publikumsdiskussion zum Abschluss des 9to5-Kongresses. Holm Friebe konnte einem Leid tun, wie er da auf der Bühne versuchte, das Schweigen der Menge zu überbrücken. Frithjof Bergmann, der große Denker aus Ann Arbor, wollte eigentlich helfen, machte aber das ganze aber nur noch schlimmer mit seinem Kommentar, man solle bitte konkrete Vorschläge machen. Danach traute sich wirklich keiner mehr, den Mund auf zu machen, denn konkrete Vorschläge waren genau das, was hier keiner hatte.
Aber einen Schritt zurück: Das 9to5-”Festival” neigte sich dem Ende zu. Alle waren fertig, aber glücklich, und es galt, ein Resümee zu ziehen. Wir hatten uns also getroffen, diskutiert, in der Realität kennen gelernt und uns gegenseitig klar gemacht, dass Prokrastination keine Krankheit ist, sondern eine immanente Eigenschaft des Freiberufler-Daseins. Dass wir auf die Sicherheit unserer Netzwerke selber achten müssen. Und - das hat mich natürlich besonders gefreut - dass es Web-2.0-Tools gibt, die unsere Zusammenarbeit unterstützen können. Und schließlich Checklisten, Tipps und Fachratgeber zum Umgang mit rechtlichen Aspekten, selbstgemachten Subventionen, Ritalin und anderen stimulierenden Drogen ausgetauscht.
Und dann das Schweigen der Boheme. Nun lag die Frage auf dem Tisch: was jetzt? Nach langem gequälten Winden der Verantwortlichen im Rampenlicht ging die Diskussion schließlich doch los. Und kaum war der Damm gebrochen, wollten plötzlich alle. Mehr Kongresse zum Thema? Oder doch lieber Festivals? Jedenfalls muss was getan werden! Die Vorschläge gingen vom wöchentlichen Kaffeekränzchen mit Zukunftsdiskussion bis zur Quadratur des Kreises - die Gründung einer Gewerkschaft für Nicht-Angestellte. Das klang irgendwie widersprüchlich. Und genau da lag das Problem.