Archive for January, 2008

Evolutionspsychologie

Wednesday, January 30th, 2008

Lange verpönt, aber in den letzten 40 Jahren als seriöses Paradigma in der Psychologie etabliert: die Evolutionspsychologie würdigt endlich auch beim Denken, dass wir vom Affen abstammen - eine heilige Kuh fällt tot um.

War neulich an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart. Wir hatten noch ein bisschen Zeit bis zum Meeting mit unseren Projektpartnern und nahmen die Bibliothek unter die Lupe. Und da machte ich eine Entdeckung: es gibt sie tatsächlich, die Evolutionspsychologie.

Vor kurzem hatte ich noch in einem Seminar eine Folie gebastelt, auf der ein paar durch die Savanne schlendernde Homo habilis (oder besser Homines habilis?) abgebildet waren und daneben eine Serie von Gehirnen – vom Insekt und Lurch über das (in dieser Hinsicht sehr gut erforschte) Geflügelhirn, über Säugetiere hin zum Mensch. Ich wollte illustrieren, dass man im Projektmanagement manche gruppendynamischen Prozesse nur erklären kann, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der liebe Gott unser Gehirn für Jäger und Sammler gemacht hat. Selbstverständlich habe ich erwähnt, dass ich dafür – quellentechnisch – nur über Literatur aus den Achzigern verfüge, die seinerzeit auch nicht ganz unumstritten war: Hoimar von Ditfurths „Der Geist fiel nicht vom Himmel“. Bevor ich die Folien zum Download auf den Server gelegt habe, habe ich die Folie dann auch verschämt wieder entfernt.

Vielleicht erklärt das meinen Freuden-Kiekser bei der Entdeckung des Artikels in der Zeitschrift für Medienpsychologie. Frank Schwab weist darin anhand von Quellen nach, dass sich in den letzten vierzig Jahren ein Trend in der psychologischen Forschung nachweisen lässt: weg von der Psyche als hierarchielose, geschlechtsneutrale Tabula Rasa - also der Soll-Beschreibung des politisch korrekten Menschenbildes.

Der Kernsatz lautet: Der “Kampf ums Überleben [bedeutet] keineswegs eine Natur als blutiges Schlachtfeld. Gegen dieses Bild sprach sich schon Darwin aus.” (Schwab 2007, S. 141)

Jetzt ist es also amtlich: auch unser Gehirn stammt vom Affen ab. Willkommen, Wissenschaft, an diesem Punkt. Und: schön, dass man darüber jetzt tabulos darüber schreiben und eindrucksvolle, einleuchtende und sehr, sehr zielführende Bilder an die Wand werfen darf, ohne sich dafür zu schämen. Gerade gruppendynamische Prozesse (und um die geht es im projektmanagement häufig) lassen sich einfach ohne diesen Hintergrund nur schwer erklären. Und wenn man sie nicht versteht und einordnen kann, kann man auch nicht vernünftig damit umgehen.

Literatur: Schwab, Frank (2007): Evolutionäres Denken: Missverständnisse, Trugschlüsse und Richtigstellungen. In: Zeitschrift für Medienpsychologie, Jg. 19, H. 4, S. 140–144.

Von der universellen Wahrheit zum Cluster

Saturday, January 19th, 2008

Man kann über sein Buch “blink” denken was man will (ich persönlich fand es nicht rasend erhellend) - in diesem Vortrag ist er brillant. Anhand der Geschichte seines Freundes Howard Moskowitz - “a man of certain intellectual standards” und “well known as the reinventor of spaghetti sauce” - verdeutlicht er auf erfrischende Weise den Paradigmenwechsel, der sich in der Wissenschaft seit einiger Zeit ereignet: weg von der einen, reinen Wahrheit und hin zu einer Beschreibung der Variation (”The movement from the search for universals to the understanding of variability”):

Video

By the way: I myself happen to be one of those addicts of “extra chunky” sauce and appreciate the outcomes of this kind of research…

Abgesehen davon wird Usability in absehbarer Zeit ein brisanteres Thema werden. Auch die Auswertungen von Trackingdaten werden eine immer größere Rolle spielen - bis hin zur erfolgsabhängigen Bezahlung von Agenturen: nur gut nutzbare, stark frequentierte und von Usern tatsächlich mit Daten gefütterte Websites werden noch gut bezahlt werden. Und die Bewertung dieser Nutzerdaten ist ohne diese Sichtweise der Variationen und “Clusters” nicht denkbar. Denn genau wie bei den geschmacklichen Vorlieben für eine Sorte von Kaffee, Sauce oder Cola gibt es nicht das eine, richtige Nutzerverhalten - es gibt eine ganze Reihe verschiedener Ansätze, sich auf einer Site zu bewegen, je nach Charakter, Tagesform und aktueller Aufgabenstellung.

Als wir Anfang 2006 unsere Interviewreihe mit Projektmanagern in Internetprojekten gemacht haben, haben wir unter anderem diese Frage gestellt: wird es einen Trend zu erfolgsabhängiger Bezahlung bei Webprojekten geben. Die Antworten fielen durchweg negativ aus (meistens wurde uns beschieden, dass das nicht funktionieren könne), so dass wir schon vermuteten, wir hätten mit unserer Frage komplett falsch gelegen. Bei einem Gespräch mit einem hochrangigen Agenturmitarbeiter aus gewöhnlich gut informierten Chefetagen erfuhr ich neulich zu meiner Erleichterung, dass dieser Ansatz derzeit sehr wohl heiß diskutiert werde. Es sei nur noch kein Konsens zur Bewertung der Ergebnisse in Sicht. Vielleicht kann die Sichtweise der Cluster dabei eine Hilfe sein.

Hypes and Bubbles

Thursday, January 3rd, 2008

Über einen Absatz bei O’Reilly (den ersten in “What Is Web 2.0?”) bin ich wieder auf ein altes Thema gestoßen, das ich hier schon mal behandelt hatte: den Web-2.0-Hype. Im Kern geht es mir darum, mich nicht bei jeder Erwähnung des Begriffes gegenüber einigen Menschen verteidigen zu müssen, die mit Schaum vor dem Mund und rollenden Augen behaupten, das Thema sei ein Hype und völlig überbewertet - und jegliche Argumentation, die sich darauf stützt, sei damit automatisch hinfällig.

Endlich handelt es sich um konkrete Hinweise, dass das Thema schon in der Fachliteratur behandelt ist:

CarlotaPerez (2002):Review of technological revolutions and financial capital: the dynamics of bubbles and golden ages. Edward Elgar, London, $ 45.00, ISBN 1 84064 922 4

Ich habe das Buch zwar noch nicht gelesen, aber die Book Review im Journal of Evolutionary Economics lässt gutes hoffen. Perez hat offenbar schon 2004 darauf hingewiesen, dass es diese Hypes schon mehrfach gegeben hat - und dass sie nicht das Ende der Idee, Technologie oder Epoche sind, sondern der Beginn der (”synergetischen”) Nutzung:

In Carlota Perez’s model each long wave is divided into two phases, installation
and deployment, and each of these phases is further subdivided into two stages,
irruption and frenzy, and synergy and maturity respectively. A turning point is
reached at the end of the installation period, during which the bubble economy
created in the frenzy stage of irruption bursts.

Vielleicht sollten wir das mal lesen und dann bei der nächsten Web-2.0-Diskussion nochmal alle tief durchatmen, bevor die Beiträge wieder in die ganz-oder-garnicht-Richtung gehen…

Adobe: Kollaborationsoberflächen für Unternehmen

Thursday, January 3rd, 2008

Die Vision von Unternehmens-Oberflächen, die die wichtigsten Workflows des Unternehmens abbilden und gleichzeitig die wichtigsten Werkzeuge für die Bearbeitung anbieten, wird immer realisierbarer: Auf der ADOBE MAX Konferenz in Chicago wurden einige neue Flash-Elemente vorgestellt, aus denen man solche “Workfaces” erstellen kann:

  • Spry: neues AJAX-Framework von Adobe
  • CoCoMo: Komponentenframework für Adobe Connect
  • Pacifia: VoIP-Lösung für Flash, FLEX und AIR (ehem. Apollo)
  • Buzzword: Online-Textverarbeitung im Flash-Plugin
  • Share: zentraler Speicherort (Upload) für Dokumente im Flash-Paper-Format, können aus Share heraus in Webseiten eingebettet werden und gemeinsam online bearbeitet werden.

(Quelle: König, Kai: Ausverkauft; i’X 12/2007, S. 30)

Fügt man diesen die personalisierte Zusammenstellung von Tools durch FLEX und Videoconferencing, Shared Whiteboard und Application Sharing mit MediaServer hinzu, dann hat man alles, was man benötigt.

Online-Projektmanagement mit Video Conferencing

Thursday, January 3rd, 2008

Projectplace, Anbieter webbasierter Projektmanagementlösungen, bringt zusammen mit Netviewer „One2meet“, ein Webconferencing-Tool auf den Markt. Mit diesem soll es möglich sein, die Projektmanagement-Daten gemeinsam zu besprechen. Parallel kann eine VoIP-Verbindung gestartet werden (Quelle: iBusiness [Zugang für Mitglieder]).