Wir wissen nicht genau, was sie genommen hatte. Es muss irgendwie anregend gewesen sein.
Aber erst mal zum Konzert: Mouse on Mars wieder mal in Hochform. Tim hatte mich vorher gewarnt: Mittlerweile machen sie eher Geräusche, war glaube ich die Kernaussage. Das letzte Mouse-on-Mars-Konzert, das wir vor Jahren im Columbia Fritz gesehen hatten, war denn auch noch vergleichsweise melodisch gewesen. Damals waren zwei DJs als Vorgruppe aufgetreten. Auch irgendwas Namhaftes. Als Mouse on Mars auf die Bühne kamen, teilten sie dem Publikum als erstes mit, dass sie erstaunt seien, mit welcher Gelassenheit das Berliner Publikum diese hochkarätigen MXe über sich ergehen lassen habe und deuteten an, dass sie nach einem Lied die Bühne verlassen würden, wenn die Zuhörer weiter kiffend auf dem Betonboden sitzen bleiben würden. Das Berliner Publikum hatte sich gnädig erhoben und es wurde ein gutes Konzert.

Mouse on Stage
Diesmal - akademischer und in der Akademie der Künste - vergleichsweise symphonisch. Grandioses Klavier zum Einstieg. Spätestens beim Einsatz des Schlagzeugs konnte man die Geräusche wieder guten Gewissens als Musik bezeichnen. Wenn auch nicht die Sorte, die man als Hintergrundmusik zum Arbeiten hört.
Über die junge Dame, die bereits vor Beginn des Konzertes das Publikum mit spitzen Schreien beglückte, herrschte allgemein geteilte Meinung. Einige fanden den Auftritt anmaßend. Meiner persönlichen Meinung nach fügte sich der Auftritt ganz gut ins Bild. Ihre gelegentlichen spitzen Schreie waren weit weniger irritierend als die elektronischen Tonsignale, die bereits vor dem Auftritt begonnen hatten und die arythmisch und atonal das erste Klaviersolo durchzogen. Nach diversen tänzerischen Einlagen auf einer Art Treppengeländer neben den Stuhlreihen brüllte irgendjemand “Geh doch auf die Bühne!”

Alien auf roter Erde: die Weltraumtouristin bei Mouse on Mars
Sie: “Darf ich?” Die Zwischenrufe ergaben kein eindeutiges Meinungsbild, aber das hätte sie sowieso nicht aufgehalten. Als sie direkt am rechten Bühnenrand verschwand, dachte man schon, Madame würde kneifen, wurde aber sofort von einer Art Schattenspiel eines besseren belehrt. Kurze Zeit später fing sie an, auf der Bühne Räder zu schlagen. Spätestens der Einsatz als zweite Stimme beim Schlagzeug hätte zum Eklat führen können. Die Marsmäuse ließen sich aber in keinster Weise aus der Ruhe bringen. Experiment auf der ganzen Linie.
Mouse on Mars - immer wieder gerne. Nur eben nicht als Hintergrundmusik. Und die Weltraumtouristin wäre gar nicht nötig gewesen. Die Musik war auch anregend. Vor allem das letzte Stück.