Kommunikation außerhalb der Gesellschaft

Lese gerade mal wieder Luhmann. Diesmal die Grundlagen: Soziale Systeme. Das ist so ein bisschen wie erst saufen und dann essen wenn’s schon schwurbelt. Um die Grundlage nachzuliefern. Dieser Beitrag beinhaltet wie immer unausgegorene Denkanstöße zum Ausschneiden und selbst zuendedenken.

Ein Punkt ist mir gerade aufgefallen, der mir mit dem Aufkommen des Semantic Web immer fragwürdiger erscheint:

Bei sozialen Systemen [...] gibt es außerhalb des Kommunikationssystems Gesellschaft überhaupt keine Kommunikation. Das System ist das einzige, das diesen Operationstypus verwendet, und ist insofern real-notwendig geschlossen.

Momentan mag dieser Standpunkt noch haltbar sein, wenn man etwa kommunizierende Maschinen nicht anerkennt, die Schnittstelleninformationen austauschen, um Prozesse zu organisieren (etwa bei UDDI und ebXML). Spätestens, wenn Rechner anfangen, menschengemachte Informationen auf semantisch sinnvolle Weise auszutauschen, die unsere Handlungen organisieren, sollte man diese Position nochmal diskutieren. Und genau das passiert derzeit in verschiedenen Forschungsprojekten zum Thema Semantic Web.

Der einzige Einwand, den ich gelten lasse, ist die Definition von Krcmar, die Informationssysteme als Einheit aus menschlichen und maschinellen Komponenten definiert. Auch diese werden aber den Menschen immer mehr an den Anfang und ans Ende von Operationen verschieben - und zwischendrin immer autarker interagieren. Man kann das mit dem Großhirn (Rechner) und dem Zwischenhirn (Triebe, fixe Programme) vergleichen. Die Aufgaben des Menschen reduzieren sich dann auf die Sinngebung (Wollen) und die Nutzung (Genießen) dieser Prozesse - also den Bereich, der sich bei psychischen Systemen im Stamm- und Zwischenhirn abspielt. Diese ordnende Kraft ist wichtig, damit das Großhirn zwischen sinnvollen und unsinnigen Operationen unterscheiden kann - anderenfalls wäre die Auswahl zwischen den möglichen Operationen willkürlich. Trotzdem wird ein immer größerer Teil der Kommunikation im maschinellen Teil unserer Informationssysteme ablaufen.

Literatur:

  • Krcmar, Helmut (2005): Informationsmanagement. Mit 41 Tabellen. 4., überarb. und erw. Aufl. Berlin: Springer.
  • Luhmann, Niklas (1987): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2006 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 666).

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