Archive for July, 2008

Effizienz von Wikis als Technologie der Projektkommunikation

Thursday, July 31st, 2008

Wikis sind also ein sehr effektives Mittel zur Kommunikation. Sie bieten aber auch (jetzt schon) Ansätze zur Effizienz:

  1. Der die Umwelt beschreibende Kontext eines Beitrages (Metadaten zur sozialen und zeitlichen Sinndimension, also Autor, Datum, Zeit) kann automatisch erfasst werden und wird automatisch erfasst. Er erfordert also keinen zusätzlichen Zeitaufwand.
  2. Kontextangaben zur Sachdimension (Tags/Stichworte, Kategorien) müssen bisher noch manuell eingegeben werden.

Sie könnten aber bald automatisch vom System vorgeschlagen werden (dazu gibt es funktionierende Ansätze auf der Grundlage von Bayesscher Statistik) – und müssten dann nur noch vom Autor „verifiziert“, also gegebenenfalls korrigiert werden. Die Kosten in diesem Bereich lassen sich also ebenfalls senken.

Wikis sind die effektivere Kommunikationstechnologie

Thursday, July 31st, 2008

… gemäß der Definition der Kommunikation von Luhmann.

Im Gegensatz zu (wissenschaftlichen) Veröffentlichungen bzw. Protokollen bieten Wikis demnach noch genauere Möglichkeiten zur Kommunikation:

  • Durch ihre Versionierung sind sie explizit darauf ausgerichtet, unterschiedliche Auffassungen von Sachverhalten zu erkennen.
  • Die Änderungen finden innerhalb des sachlichen Zusammenhangs statt (im Kontext der Seite)
  • Die Änderungen sind mit einer Handlung (Editieren) verbunden und können damit explizit zugeordnet werden.
  • Die Begründung für die Änderung kann mitgeliefert werden. Dadurch wird vom Autor klargestellt, welche Gründe ihn zu einer abweichenden Auffassung bewegen. Er liefert also seinen Kontext mit und erleichtert damit das Prozessieren der doppelten Kontingenz.

Besser kann man das System Kommunikation im Sinne Luhmanns kaum abbilden!

Psychische Systeme im Projektmanagement

Wednesday, July 30th, 2008

(Fragment aufbauend auf die U-Boot-Metapher von Varela und Maturana)

Psychische Systeme (Menschen)

Genau wie das U-Boot haben wir einige Sensoren (Sinne) und Schalter (Handlungen) zur Verfügung. Wir lernen mit der Zeit, bei welcher Kombination von Sinneseindrücken (Situation) welche Handlungen sinnvoll sind. Falsche Reaktionen auf die Umwelt werden bei Babys noch mit Schmerzen (Irritiationen) bestraft – später mit Situationen, die wir mit Schmerz assoziieren und die daher ein schlechtes Gefühl hervorrufen.

Dabei lernen Babys erst mit der Zeit, dass Kontraste oft Gegenstände bedeuten und dass ein Punkt-Punkt-Komma-Strich-Schema ein Gesicht ist und für einen anderen Menschen steht. Ein Mensch, den es nie wirklich verstehen wird, denn es kann nicht in ihn hineingucken. Es kann nur beobachten, wie er sich in bestimmten Situationen benimmt. Warum er sich so benimmt, vermutet es nur – stellt also Theorien auf. Grundlage dieser Theorien ist: „Wie würde ich mich selbst in der Situation benehmen?“. Schlechte Theorien führen zu falschem Verhalten und werden mit unangenehmen Situationen bestraft (konditioniert) – gute werden belohnt.

Teammitglieder und Stakeholder sind wie U-Boote aus unterschiedlichen Gewässern. Sie verfügen über einen komplett unterschiedlichen Erfahrungshorizont und haben bei ganz unterschiedlichen Anzeichen ein mulmiges Gefühl. Man kann sich zum Beispiel einen Designer als Mini-U-Boot in einem Bachbett vorstellen. Er bewegt sich zwischen Flusskrebsen und orientiert sich an Helligkeiten und Lichtreflexen. Der Manager des Kunden ist ein Tiefsee-U-Boot und lebt in einer Umgebung, in der es zwar Krebse gibt – aber in die niemals Licht vordringt. Was noch schlimmer ist: auch die Krebse sind vollkommen andere Arten, viele von ihnen sind für Tiefsee-Mini-U-Boote hochgefährlich.

Beim Briefing redet der Designer von Krebsen und hat dabei helle Bachbetten mit Lichtreflexen im Kopf. Der Manager sieht etwas vollkommen anderes und hat ein mulmiges Gefühl. Kurz: die beiden verstehen sich nicht, weil sie in vollkommen anderen Welten leben. Und sie sollen jetzt – zusammen mit einigen anderen U-Booten aus dem rauhen friesischen Wattenmeer und den heißen Lagunen der Bahamas – die Projektziele aushandeln, die später für alle verbindlich sind. Sie sollen Bojen setzen, um die Route agzustecken und ein „gemeinsames Bild“ der Probleme entwickeln. Viel Spaß!

Am Ende wird jeder Stakeholder (Teammitglieder, Accountmanager, Kunden) ein anderes Bild im Kopf haben – und vage Theorien, wie die anderen die Lage sehen. Was fehlt sind Korrekturschleifen, in denen sie feststellen, an welchen Punkten ihre Vermutungen und Bewertungen der Situation auf falschen Annahmen beruhen, nämlich Erfahrungen aus dem eigenen Metier.

Literatur

Luhmann, Niklas (1987): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2006 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 666).