Berliner Kunst- und Nachtlebenszene ist kostenloses Viral Marketing vom Feinsten

Offener Brief an den Regierenden Bürgermeister.

Berlin Friedrichshain: Berlin, Friedrichshain, Pflanzen, Hund, Idylle, Revaler Straße, StraßenmöblierungBerlin Freidrichshain - Mann mit SohnKonzert, Postbahnhof am Ostbahnhof, Polarkreis 18, Berlin FriedrichshainBerlin Friedrichshain, Geburtstag, Lars, Berlin: Frau mit Leo-Mantel; Dame auf der Warschauer Brücke in Berlin (Friedrichshain). Der Leo-Look ist wieder voll im Kommen

Sehr geehrter Herr Wowereit,

Berlin und insbesondere seine Ostbezirke sind in der ganzen Welt bekannt. Nicht für seine Wirtschaft, nicht nur für die großen Projekte, sondern insbesondere für die kleinteilige, zusammengewürfelte und in seiner Form einmalige Kunst- und Nachtlebenszene. Ein besseres Viral Marketing als es Blogs wie de-bug.de, ungarische Exberliner, in Berlin lebende australische Freelancer, die die Londoner Preise hierher getrieben haben oder www.iheartberlin.de bieten können, hätten wir auch mit gigantisch teuren Kampagnen nicht bekommen können. Das hat damit zu tun, dass glücklicherweise Authentizität wieder eine Rolle spielt – auch in PR und Werbung. Und diese Leute sind eben Überzeugungstäter. Jedenfalls, wenn sie nicht gerade über die sterbende Clubszene berichten (müssen).

PR-Kosten senken!

Hiermit möchte ich, Joachim Bode, daher an Sie appellieren, dass Projekte wie die Bar25 und andere vor dem “Aus” stehenden Projekte wie das Yaam, der RAW Tempel, das Cassiopeia oder der Mellowpark nicht aus unersichtlichen und sinnlosen Gründen vorschnell geräumt werden, um dadurch Platz für eine Entwicklung in Berlin zu schaffen, welche das besondere Image der Stadt Berlin - das weltweit zu etwas besonderem geworden ist - vernichtet.

DJ in Berlin: everyday life, everynight lifeSchöne Jugend in der Berliner U-Bahn Berlin, S-Bahn/U-Bahn, people, Menschen, youth, kids, black&whiteClubszene BerlinParty on, John!Bar Möbel Olfe in BerlinNachtleben: Leute draußen auf der Straße

Kulturauftrag

Ich erinnere mich an ein Interview in der Zitty oder im Tip vor einigen Jahren, in dem der damalige Kulturbeauftragte von Berlin-Friedrichshain (!) sinngemäß geäußert hat, wir hätten hier ja eine lebendige Clubszene - auch wenn er die Clubs jetzt nicht beim Namen nennen könnte…
Wie bitte??? Was hat Friedrichshain denn an Kultur von internationalem Rang so zu bieten - wenn nicht diese Clubs???
Das war etwa zu der Zeit, als der Abriss von Ostgut, Panoramabar und der Alten Maria anstanden, um mal die Namen von drei weiteren zu nennen.

Typen mit Pflanze, Berlin Friedrichshain, people, Menschen, Pflanzen, Umzug, MobiliarKonzert am Ostbahnhofneue Farbe: Berlinbuntinternationale GästeChina-Frau

Vergesellschaftung der Kosten und pseudo-elitäre Coolness-Kreise

Allerdings muss man fairerweise dazu sagen, dass auch angesagte Clubs nicht die Gewinne einstreichen und die Kosten vergesellschaften dürfen - sie sollten sich schon mit etwas höheren Mieten anfreunden. Und wenn sie sich als öffentliches Kulturgut präsentieren, sollten sie vielleicht die Türpolitik mal wieder überdenken. Auch das Heranzüchten pseudo-elitärer Coolness-Kreise ist etwas, das Berlin früher nicht nötig hatte und anderen Städten überlassen hat. Besinnen wir uns also auch hier wieder auf das Wesentliche. Aber die Chance dazu - der politische Wille - muss gegeben sein.

kulturelle Wiederkäuer

Denn was haben wir jetzt statt Ostgut und Maria? Sie sind einer O2-Arena gewichen, die alles wieder aufwärmt, was vor 20 Jahren populär war. Willkommen in der Welt der neuen Berliner Kultur, die von höchster Ebene gefördert wird!

Wenn man das unbezahlbare Image von Berlin mit Gewalt von junger, lebendiger Kultur auf satte, phantasielose kulturelle Wiederkäuer ändern will, ist man damit genau auf der richtigen Spur.

Hopfen, Malz und Konsequenzen

Ich würde das hier nicht schreiben, wenn bei Ihnen Hopfen und Malz bereits verloren wären. Aber wo wir gerade vom Image sprechen: kulturelle Wiederkäuer passen nicht zu Ihrem Ruf. Ich bin zuversichtlich, dass sich das auch in politischen Konsequenzen äußern wird, hier und an vielen anderen Stellen.

Bleiben Sie sich treu - be BERLIN!

Joachim Bode

description

Berlin am S-Bahnhof Warschauer Straße im Friedrichshain. Das Plakat zeigt die Nummer des ‘Kältebusses’ für Obdachlose. Auf der Rückseite der Plakatwand stand lange Zeit “Willkommen in der H4-Arena” - die Antwort aus der Hartz-4-Ecke auf die schräg gegenüber neu errichtete O2-Arena, mit der O2 mit Millionen-Glamour endlich den Massengeschmack in den F’Hain gebracht hat.

2 Responses to “Berliner Kunst- und Nachtlebenszene ist kostenloses Viral Marketing vom Feinsten”

  1. Biste wohl mal wieder an der Tür gescheitert ;-) Recht haste!

  2. Dein Kommentar auf tumblr war irgendwie schmeichelhafter ;)

    Ja, in der Tat - auf der Mediaspree-Demo hatte ich eine kleine Diskussion mit den Leuten von der Bar25 (mit denen ich mich ansonsten bestens verstanden habe) zu dem Thema. Ich war nach sehr langer Bar25-Abstinenz dort verabredet und bin zwar reingekommen, aber die Diskussion an der Tür hatte den Charme eines Nacktscanners am Flughafen. Habe mir dann erlaubt, das mal anzumerken. Es hat mich ein bisschen zu sehr an meine Zeit in München erinnert. Und ich weiß, warum ich schließlich in Berlin gelandet bin.

Leave a Reply