Die Wirtschaftswelt entdeckt den Ameisenhaufen als Vorbild (Der Ameisenhaufen als Vorbild für das Enterprise 2.0). Professor Andrew McAfee von der Harvard Business School:
“Wenn man eine Ameisenkolonie beobachtet, erscheint es, als gebe es irgendwo ein großes Gehirn.”
Das Thema kommt uns aus der Chaos-Debatte der 90er Jahre irgendwie bekannt vor. Damals wurde unter dem Begriff “Emergenz” eine neue Qualität beschrieben, die sich aus den Verhaltens-Einzelteilen eines Systems ergibt, aber mehr ist als die Summe der Teile: erst durch das Zusammenspiel entsteht etwas Neues, Mächtigeres und Effizienteres.
Dass das auch für Unternehmen interessant sein kann, bestätigt Gartner mit seiner Definition des Begriffes Web 2.0:
Das Marktforschungsunternehmen hat sich zur Verleihung allerdings die Mühe gemacht, vier Schlüsseltechnologien und -Trends herauszusuchen, die den Hype fassbarer machen und kurzfristig prägen sollen. Dazu gehören Ajax, Mashup, Social Network Analysis (SNA) und die ‘Kollektive Intelligenz’. Die ersten drei sollen bereits in den nächsten zwei Jahren ein hohes Maß an Reife erreicht haben.
(Quelle: silicon.de: “Web 2.0 auf dem Gipfel der Hype-Kurve”)
Demnach wird die ‘Kollektive Intelligenz’ die nächste Stufe der Entwicklung sein.
Kollektive Intelligenz hat laut Gartner noch einen fünf- bis zehnjährigen Reifeprozess vor sich. Sie hat allerdings das Potenzial, große Veränderungen herbeizuführen. Es handelt sich dabei um die kollektive Entwicklung von Inhalten, geistigen Gütern wie Software, aber auch von Verknüpfungen und Entscheidungen. Einen Vorgeschmack davon haben in den letzten Jahren die Open-Source-Bewegung und Wikipedia geliefert, Gartner sagt allerdings eine Verbreitung dieser Arbeitsweise auf praktisch alle Lebensbereiche voraus.
(Quelle: ebenda).
Ein wesentlicher Faktor, um diese Intelligenz auch in Unternehmen zu nutzen, ist allerdings die Freiheit der Mitarbeiter und ein Abgehen von streng hierarchischen Strukturen.
In einem Gespräch beim Web-Montag von newthinking erzählte mir der Unternehmensberater Frank Martin Hein (Website) von seinen Befragungen in Unternehmen, zu denen er demnächst ein Buch veröffentlichen will. Seinen Befragungen nach wollen Manager das Intranet - und entsprechende Web-2.0-Werzeuge zur Unternehmenskommunikation - vor allem dazu nutzen, um Direktiven an ihre Untergebenen zu verteilen. Daran scheitern viele dieser Instrumente (sie sollten eigentlich vor allem in der anderen Richtung funktionieren!). Da Netzwerke per definitionem weniger Weisungs-Hierarchien verfügen - jedenfalls, wenn man die Definiton von Sydow (”zwischen Markt und Hierarchie”) zugrunde legt - wäre es interessant zu erfahren, wie diese Instrumente in Netzwerken eingesetzt werden und ob sie sich dort besser durchsetzen. Da sie vermutlich sehr sinnvoll für die unternehmensinterne Kommunikation sind, würde das einen Wettbewerbsvorteil von Netzwerken gegenüber hierarchischen Unternehmen bedeuten.
Um die Ergebnisse darzustellen und zu beurteilen, gibt es jetzt eine Analyse-Software für Social Networks im Unternehmen. Die schweizerische Firma shiftTHINK bietet ihre Analyse-Software ‘Connect 1.0′ vorerst als öffentliche Beta-Version zum Test an:
Connect soll beispielsweise als Ergänzung zu Customer Relationship Management Systemen einen konkreten Mehrwert bringen. Die durch heutige Systeme nicht erkennbaren Strukturen und Verbindungen, die als Vorgänge in sozialen Netzen liegen, ließen sich so nicht nur erkennen, sondern auch aufbereiten und darstellen.
Demnach kann die Technik nicht nur unternehmensintern eingesetzt werden, sondern auch zur Analyse des Kundenumfeldes im Bereich CRM.