Archive for the ‘Literatur / literature’ Category

Willms Buhse, Achim Bode und Maxi Kirchner live auf der CeBIT

Wednesday, March 4th, 2009

Als erstes “Autoren-Team” hatten Maxi Kirchner und Achim Bode gestern die Ehre, ihr Kapitel

  Ich habe heute Dienst … Du findest mich auf dem Sofa

aus dem DNA-Buch

  DNADIGITAL –
  WENN ANZUGTRÄGER AUF KAPUZENPULLIS TREFFEN

von Willms Buhse und Ulrike Reinhard (Hrsg.) vorzustellen:

Vielen Dank nochmal an Willms und viel Erfolg mit den weiteren Vorstellungen!

https://www.zaplive.tv/web/webciety?streamId=webciety%2Fdac8de98-1061-4243-bbe7-863bf2f42c44&start=2817

Literatur

DNADIGITAL – WENN ANZUGTRÄGER AUF KAPUZENPULLIS TREFFEN
Willms Buhse, Ulrike Reinhard (Hrsg.)
ISBN: 978-934013-98-8
1. Auflage
Preis 29,80 EURO

Der Erlös wird verwendet, um Digital Natives bei ihrer weiteren Arbeit zu unterstützen.

Das Buch steht unter der Creative-Commons-Lizenz und kann unter folgender URL heruntergeladen werden:

http://www.scribd.com/doc/12544534/DNAdigital-Wenn-Kapuzenpullis-auf-Anzugtraeger-treffen

Klappentext:

Wie aus Kopfschütteln positive Energie wurde. Oder Kapuzenpulli trifft Anzugträger – wie das CIO-Magazin über unsere Initiative DNAdigital titelte.Das Ziel ist anspruchsvoll. Wie schafft man einen konstruktiven Dialog zwischen der Generation Internet und Top-Managern der deutschen Wirtschaft?Und was kommt dabei heraus?In diesem Buch wurden die meisten Artikel im Dialog zwischen diesen beiden Gruppen geschrieben. Beteiligt sind die Avantgarde der Internetgeneration sowie Vorstände und Top-Manager von Unternehmen wie Alcatel-Lucent, Best Buy, Cisco, Deutsche Telekom, IDS Scheer und Vordenker wieJohn Seely Brown, John Hagel III, Dirigent Itay Talgam, die Harvardprofessoren Urs Gasser und David Weinberger, Don Tapscott, Gartner-Analystenchef Peter Sondergaard und Netzwerk-Guru Peter Kruse.Dabei trifft inhaltliche Erfahrung auf das technisches Know-how der ver-netzten Generation und beschäftigt sich mit Themen des Enterprise 2.0: der Arbeitswelt der Zukunft, kundengetriebene Produktentwicklung, Führung basierend auf Kompetenzen sowie Fragen der Unternehmenskultur.Eines verbindet alle Beiträge: Es geht um unsere Zukunft!

Inhalt

EDITORIAL > 10

DNAdigital_01 – Anstoß

Manifest der Digital Natives > 12
Robert Dürhager, Timo Heuer
The Difference It Makes – Vorwort_01 > 18
Anne Grabs
Dem Enterprise 2.0 gehört die Zukunft – Vorwort_02 > 22
August-Wilhelm Scheer
DNAdigital – Der Weg zum Buch > 26
Willms Buhse, Ulrike Reinhard

DNAdigital_02 – Die Digital Natives

Die Digital Natives > 32
Urs Gasser
The Net Generation Takes The Lead > 44
Don Tapscott
Crowds In The Cloud – Digital Natives Create Generation V > 48
Monica Basso, Steve Prentice, Peter Sondergaard, Ray Valdez
20h Begegnung – Aus dem Tagebuch eines Digital Natives > 54
Jana Hochberg

DNAdigital_03 – DNAdigital Live

#microblogging #interview #dnabuch – Alles in 140 Zeichen > 60
Hendrik Heuermann, Sören Stamer
Mit einer Twitter-Einführung von Nicole Simon
Livestream DNAdigital – Ein Gespräch mit Peter Kruse > 80
Peter Kruse, Ulrike Reinhard

DNAdigital_04 – Der Weg zum Enterprise 2.0

Der Standort Deutschland > 100
Achim Bode, Michael Domsalla, Rainer Fechner, Thomas Mosch, Thomas Renger
Building Bridges Between Business, Politics And People > 114
Nadia Zaboura
Ich habe heute Dienst … Du findest mich auf dem Sofa > 128
Achim Bode, Maxi Kirchner
Auf dem Weg in die Projektwirtschaft?! > 144
Frank Schabel
3 Kulturen im Umgang mit Social Tools > 156
Bettina Fackelmann, Willi Kaczorowski, Jens Otto Lange
CEO 2.0 – eine Konversation > 174
Martin Koser, Joachim Niemeier, Frank Roebers
Free Our Leaders From Isolation And Embrace Abundance > 184
Itay Talgam, David Weinberger
Open Innovation – Wie das Web 2.0 Produktfindung und Innovation verändert > 196
Willms Buhse, Rainer Fechner, Cedric May
How World Of Warcraft Promotes Innovation > 212
John Hagel III, John Seely Brown
“A Company Is A Dream Factory …” > 218
Brad Anderson, Ulrike Reinhard, Sören Stamer
Digitale Insulaner schlagen Brücken > 228
Michael Heuser, Matthias Schuster

Tagclouds zur Navigation nutzen

Tuesday, September 2nd, 2008

Tags sind eine geniale Erfindung und ein nicht weg zu denkender Baustein des Web 2.0. Lange Zeit wurde ihr Potenzial aber gar nicht ausgeschöpft. Sowohl freie Webdienste wie delicious (del.icio.us) als auch kommerziell-geschlossene wie iBusiness sammelten zwar Tags. Artikel und Links konnten jedoch nur per Klick auf ein einziges Stichwort erreicht werden. Seine volle Wirkung entfaltet das Tagging jedoch nur, wenn die Tags in Kombination genutzt werden können: Ein Tag ist Silber - viele Tags kombiniert sind Platin, ganz klar!

Mittlerweile ist das glücklicherweise der Fall. Als das Update auf den neuen Firefox 3.0.1 mich neulich zwang, von meiner alten Button-Leiste auf die Firefox-Extension Delicious Bookmarks 2.0.95 umzusteigen, machte ich die erstaunliche Entdeckung, dass mein Traum längst in Erfüllung gegangen war. Nur eben in einer anderen Extension - delicious bietet mehrere an! In einer Sidebar kann man hier ein Stichwort anklicken und bekommt eine Reihe von verwandten Begriffen angezeigt. Bei Klick auf einen dieser Wörter erhält man die Seiten, die diese Kombination enthalten.

Diese “Erfindung” erinnert ein wenig an die “Abteilung Informations-Wiederbeschaffung” in dem genailen Retro-Thriller Brasil, denn eigentlich gab es diesen Service bereits auf einer der ersten Suchmaschinen, zu Zeiten von Lycos, HotBot und Altavista - ich habe leider vergessen, welche es war.

Damit wären wir schon bei zwei Tags. Meiner Ansicht nach könnte man das noch toppen - möglicherweise (wer hätte das gedacht) mit drei und mehr…
Ähnliche Fuktionen bietet iBusiness seit einiger Zeit. Hier gibt es neben der Tag-Suche einen Button “Verknüpfen”, über den man sich eine Tag-Cloud anzeigen lassen und die Auswahl durch weitere Tags eingrenzen kann. Seitdem nutze ich den Webdienst so, wie man einen Webdienst nutzen sollte: ich lese ihn nicht wie eine Zeitung, sondern suche - oder besser: finde - gezielt Meldungen zu dem Thema, mit dem ich mich gerade beschäftige.

Zum Thema Zeitung versus Web 2.0 habe ich übrigens gerade eine schöne Stelle in Clay Shirkys Buch Here comes everybody wiedergefunden:

“The Web didn’t itroduce a new competitor into the old ecosystem [...]. The Web created a new ecosystem [...]. We’ve long regarded the newspaper as a sensible object because it has been such a stable one, but there isn’t any logical connection among its many elements: stories from Iraq, box scores from the baseball game, and ads for everything from shoes to real estate all exist side by side in an idiosyncratic bundle. What holds a newspaper together is primarily the cost of paper, ink, and distribution. A newspaper is whatever group of printed items a publisher can bundle together and deliver profitably.” (S.60)

Schöner kann man es kaum zusammenfassen, wenn man den Unterschied zum Web herausarbeiten will, daher versuche ich es gar nicht erst.

Aber zurück zu den Tag-Kombinationen: der nächste logische Schritt wären eine Art Pakete aus Stichworten, die bestimmte Themenkreise beschreiben, für die ich noch keinen eigenen Begriff gebildet habe (”The difference that makes a difference”, um es mit einem von Luhmanns Systemtheoretikern zu sagen). Dieses “semantische Bündel” vermisse ich bisher noch.

Literatur:

  • Shirky, Clay (2008): Here comes everybody. How digital networks transform our ability to gather and cooperate. New York: Penguin Press.

Messen

Monday, August 25th, 2008

reading Bruhn (2005): Unternehmens- und Marketing-Kommunikation

Geschichte von Messen

Standorte
Messen entwickelten sich in Europa zuerst in der Champagne, dann – mit Verschiebung zum Nordseehandel der Hanse – nach Holland. In Deutschland fanden bereits im Mittelalter an den heutigen Messezentren Messen statt: in Frankfurt bereits ab 1240, in Dresden ab dem 14. Jahrhundert (Hannover kam erst nach dem 2. Weltkrieg dazu – als Gegenpol zu Dresden, das direkt nach dem Krieg durchgestartet hatte und bereits 1955 nicht nur Aussteller der UdSSR, sondern auch über 1000 westliche zeigte).

Messeformen
Mit den verbesserten Verkehrsverbindungen im 19. Jahrhundert wandelten sich die Messen von Waren- zu Mustermessen – man konnte die Masse jetzt nachliefern. Die erst reine Mustermesse fand 1895 in Dresden statt.

Literatur
Bruhn (2005): Unternehmens- und Marketing-Kommunikation

Wikis sind die effektivere Kommunikationstechnologie

Thursday, July 31st, 2008

… gemäß der Definition der Kommunikation von Luhmann.

Im Gegensatz zu (wissenschaftlichen) Veröffentlichungen bzw. Protokollen bieten Wikis demnach noch genauere Möglichkeiten zur Kommunikation:

  • Durch ihre Versionierung sind sie explizit darauf ausgerichtet, unterschiedliche Auffassungen von Sachverhalten zu erkennen.
  • Die Änderungen finden innerhalb des sachlichen Zusammenhangs statt (im Kontext der Seite)
  • Die Änderungen sind mit einer Handlung (Editieren) verbunden und können damit explizit zugeordnet werden.
  • Die Begründung für die Änderung kann mitgeliefert werden. Dadurch wird vom Autor klargestellt, welche Gründe ihn zu einer abweichenden Auffassung bewegen. Er liefert also seinen Kontext mit und erleichtert damit das Prozessieren der doppelten Kontingenz.

Besser kann man das System Kommunikation im Sinne Luhmanns kaum abbilden!

Psychische Systeme im Projektmanagement

Wednesday, July 30th, 2008

(Fragment aufbauend auf die U-Boot-Metapher von Varela und Maturana)

Psychische Systeme (Menschen)

Genau wie das U-Boot haben wir einige Sensoren (Sinne) und Schalter (Handlungen) zur Verfügung. Wir lernen mit der Zeit, bei welcher Kombination von Sinneseindrücken (Situation) welche Handlungen sinnvoll sind. Falsche Reaktionen auf die Umwelt werden bei Babys noch mit Schmerzen (Irritiationen) bestraft – später mit Situationen, die wir mit Schmerz assoziieren und die daher ein schlechtes Gefühl hervorrufen.

Dabei lernen Babys erst mit der Zeit, dass Kontraste oft Gegenstände bedeuten und dass ein Punkt-Punkt-Komma-Strich-Schema ein Gesicht ist und für einen anderen Menschen steht. Ein Mensch, den es nie wirklich verstehen wird, denn es kann nicht in ihn hineingucken. Es kann nur beobachten, wie er sich in bestimmten Situationen benimmt. Warum er sich so benimmt, vermutet es nur – stellt also Theorien auf. Grundlage dieser Theorien ist: „Wie würde ich mich selbst in der Situation benehmen?“. Schlechte Theorien führen zu falschem Verhalten und werden mit unangenehmen Situationen bestraft (konditioniert) – gute werden belohnt.

Teammitglieder und Stakeholder sind wie U-Boote aus unterschiedlichen Gewässern. Sie verfügen über einen komplett unterschiedlichen Erfahrungshorizont und haben bei ganz unterschiedlichen Anzeichen ein mulmiges Gefühl. Man kann sich zum Beispiel einen Designer als Mini-U-Boot in einem Bachbett vorstellen. Er bewegt sich zwischen Flusskrebsen und orientiert sich an Helligkeiten und Lichtreflexen. Der Manager des Kunden ist ein Tiefsee-U-Boot und lebt in einer Umgebung, in der es zwar Krebse gibt – aber in die niemals Licht vordringt. Was noch schlimmer ist: auch die Krebse sind vollkommen andere Arten, viele von ihnen sind für Tiefsee-Mini-U-Boote hochgefährlich.

Beim Briefing redet der Designer von Krebsen und hat dabei helle Bachbetten mit Lichtreflexen im Kopf. Der Manager sieht etwas vollkommen anderes und hat ein mulmiges Gefühl. Kurz: die beiden verstehen sich nicht, weil sie in vollkommen anderen Welten leben. Und sie sollen jetzt – zusammen mit einigen anderen U-Booten aus dem rauhen friesischen Wattenmeer und den heißen Lagunen der Bahamas – die Projektziele aushandeln, die später für alle verbindlich sind. Sie sollen Bojen setzen, um die Route agzustecken und ein „gemeinsames Bild“ der Probleme entwickeln. Viel Spaß!

Am Ende wird jeder Stakeholder (Teammitglieder, Accountmanager, Kunden) ein anderes Bild im Kopf haben – und vage Theorien, wie die anderen die Lage sehen. Was fehlt sind Korrekturschleifen, in denen sie feststellen, an welchen Punkten ihre Vermutungen und Bewertungen der Situation auf falschen Annahmen beruhen, nämlich Erfahrungen aus dem eigenen Metier.

Literatur

Luhmann, Niklas (1987): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2006 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 666).

Paradigmenwechsel oder: das Gute an Hypes und Buzzwords

Wednesday, June 25th, 2008

Wie funktioniert ein Hype und was ist ein Buzzword?

Ein Buzzword ist ein Begriff in der öffentlichen Kommunikation:

  • er formuliert etwas Neues,
  • was ein vorhandenes Problem löst (Handlungsdruck),
  • verbindet es mit einem Wort (ermöglicht Zuordnung),
  • von dem alle Wissen, dass sie sich damit auseinandersetzen müssen

Wenn das alle tun (sich damit auseinandersetzen), spricht man von einem Hype.

Hypes haben eine negative Konnotation, weil

  1. Am Anfang eine starke Erwartungshaltung aufgebaut wird, um das Thema zu legitimieren – und diese nicht erfüllt werden kann (zur Verwendung von Idealzielen zur Beurteilung der Realität am Beispiel organisationaler Praxis siehe Etzioni, Amitai (1960))
  2. Technische Neuerungen meist eine Änderung der Denkweise (Paradigmenwechsel) voraussetzen, die in diesem Moment noch nicht vorhanden ist
  3. Der Diskurs eine undifferenzierte Form annimmt, wenn sich die breite Masse äußert (Platitüden!)
  4. Menschen den Drang nach neuen Themen haben (Luhmann 1987, S. 89f. , ‘Variety-seek-Motiv’ von Kaiser 2005, S. 33, zitiert nach Meffert 2008, S. 127)

Ein Hype hat aber auch eine (positive) Funktion: Dadurch dass sich alle damit auseinandersetzen, werden neue Denkansätze (Paradigmen) diskutiert, die sich durch die öffentliche Diskussion im Bewusstsein von breiten Bevölkerungsschichten niederschlagen. Bei „Technik-Hypes“ wie Social Software „frisst die Revolution“ daher nicht „ihre Kinder“ – sondern sie erschafft sie erst.

Paradoxerweise führt das dazu, dass am Ende des Hypes die Voraussetzungen für die Etablierung der jeweils neuen Technologie wesentlich besser sind als vorher:

  1. Die allgemeine Denkweise hat sich an den Zustand angenähert, der für die Nutzung der neuen Tools erforderlich ist (Punkt 2 unter negative Konnotationen entfällt also in Zukunft)
  2. Die technischen Fertigkeiten der potentiellen Nutzer haben sich erweitert. Dadurch sinkt der Aufwand zur Nutzung der Technologie und das (Transaktions-)Kosten-Nutzen-Verhältnis verbessert sich
  3. Die Werkzeuge werden verbessert und (vom technisch Möglichen an das situative Erforderliche) angepasst
  4. Die Menschen kennen die Technologie und bauen sie in ihre im Alltag verwendeten Handlungsoptionen ein

Am Beispiel von Web 2.0 und Social Software kann man das sehr gut nachvollziehen (etwa bei der Nutzung von Blogs): Für viele Menschen ist es heute ganz normal, eine Idee in einem Blog zu veröffentlichen – auch wenn diese noch nicht ganz ausgegoren ist! Früher hätte man gedacht: „Was sollen die von mir denken?“. Dieser Passus wurde im neuen Paradigma gestrichen – wenn auch nicht ersatzlos: heute denkt man eher „Wird spannend, was die anderen davon denken“ (Annäherung der allgemeine Denkweise). Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen: viele haben einen Blog und wissen, wie man damit umgeht (technischen Fertigkeiten). Und die Bedienung ist so viel einfacher geworden, dass man kein technik-affiner Mensch mehr sein muss, um sich im Internet zu äußern (technische Weiterentwicklung und Anpassung an die Bedürfnisse). Das lässt sich ganz deutlich an der Themenverteilung ablesen, die sich von vorwiegend technischen Themen (fast ausschließlich in den 90ern) zu einer breiten Vielfalt hin verschiebt.

Es ist also zu einfach, den Umgang mit Begriffen wie Social Software und Web 2.0 mit dem Argument zu diskreditieren, es handle sich um Buzzwords und der Hype sei vorbei: Wenn der Hype vorbei ist, sind die Voraussetzungen für die Nutzung einer Technologie erst geschaffen.

Literatur:

Links in meinem Blog:
Hypes and Bubbles
Hype - Trend - Tendenz

Etzioni, Amitai (1960): Two Approaches to Organizational Analysis: A Critique and a Suggestion. In: Administrative Science Quarterly, Jg. 5, H. 2, S. 257–278. Reprinted in Oscar Grusky and George A. Miller (eds.), The Sociology of Organizations: Basic Studies (New York: The Free Press, 1970), pp. 215-225; reprinted in Herbert C. Schulberg, Alan Sheldon and Frank Baker (eds.), Program Evaluation in the Health Fields (New York: Behavioral Publications, 1969), pp. 101-120: reprinted in Frank Baker (ed.) Organizational Systems: General System Approaches to Complex Organizations (Homewood, Ill.: Richard D. Irwin, 1973), pp. 459-475.

Luhmann, Niklas (1987): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2006 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 666).

Meffert, Heribert (2008): Marketing. Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung. Konzepte-Instrumente-Praxisbeispiele. 10., vollst. überarb. u. erw. Aufl. Wiesbaden: Gabler.

Marketingforschung: Werte und Persönlichkeit

Tuesday, June 10th, 2008

Habe Meffert 2008 inzwischen weiter gelesen:

ziehe meinen (vorschnellen) Blogbeitrag zum Thema „Wertorientierung? - Schon belegt“ zurück - zu Wertorientierung hat die Marketingforschung EINIGES zu sagen.

 Strukturen und Prozesse (siehe Luhmann Soziale Systeme kurz vor Seite 100)
 Aufbauende „Treppenpyramide“
o Aktivierung/Involvement
o Emotion
o Einstellung
o …
o Wertvorstellungen
o Persönlichkeit

Meffert – bzw. die Marketingforschung ist schon ganz schön weit mit der Übernahme von Forschungsergebnissen der Kognitionswissenschaften etc. – alle Achtung!
richtig ausgereifte Verhaltensmodelle
bin gespannt, was die Arbeitspsychologie im Vergleich dazu so zu bieten hat…

Zur Wertorientierung hat die Marketingforschung also EINIGES zu sagen. Eigentlich nur schade, dass sie ihre Erkenntnisse vorwiegend zur Konditionierung Pavlov’scher Kunden durch “Markenwelten” benutzt - statt sich mal wieder mit den Vor- und Nachteilen von Produkten und deren “Matching” mit Kundenbedürfnissen zu beschäftigen.

Enterprise 2.0 - Definition

Sunday, June 8th, 2008

(Anmerkung: die Ähnlichkeit mit der Enterprise-2.0-Definition aus der deutschen Wikipedia kommt nicht daher, dass ich ihn von dort geklaut habe, sondern dass die aktuelle Fassung der Wikipedia-Definition weitgehend von mir stammt. Definitorische Mitarbeit an dieser Stelle ist wie immer ausdrücklich erwünscht!)

Enterprise 2.0 bezeichnet den Einsatz von Sozialer Software zur Projektkoordination, zum Wissensmanagement und zur Innen- und Außenkommunikation in Unternehmen. Diese Werkzeuge fördern den freien Wissensaustausch unter den Mitarbeitern, sie erfordern ihn aber auch, um sinnvoll zu funktionieren. Der Begriff umfasst daher nicht nur die Tools selbst, sondern auch eine Tendenz der Unternehmenskultur - weg von der hierarchischen, zentralen Steuerung und hin zur autonomen Selbststeuerung von Teams, die von Managern eher moderiert als geführt werden.

Entstehung des Begriffs

Der Begriff Enterprise 2.0 geht auf einen Artikel des Harvard-Professors Andrew P. McAffee zurück. Unter dem Begriff SLATES (deutsch: Schiefertafeln; SLATES steht für die Abkürzung von Search, Links, Authoring, Tags, Extensions und Signals - in Anlehnung an die Abkürzung WIMP) fasst er die Prinzipien, Merkmale, Eigenschaften von Web 2.0-Werkzeugen zusammen. Er argumentiert, dass das Auffinden von Informationen (Search) im Internet nachweislich viel besser funktioniert als in Intranets, weil die Masse der Nutzer durch Links Informationen strukturieren und bewerten, die von Suchmaschinen ausgewertet werden. Durch eine vergleichbare Masse an Strukturen, die von Mitarbeitern mit Hilfe von einfachen Autoren-Tools (Authoring) und Verschlagwortung (Tags) erstellt werden, könnten Unternehmen die Vorteile der “Wisdom of Crowds” nutzen. Erweiterungen der Software (Extensions) sorgen für die einfache Anpassung an etablierte Arbeitsweisen und Signale wie RSS-Feeds (Signals) machen Änderungen verfolgbar.

Richter und Koch erweitern den Begriff unter Bezugnahme auf einen Information-Week-Artikel und die Enterprise-2.0-Konferenz 2007 um die notwendigen Veränderungen der Unternehmenskultur:

„Enterprise 2.0 bedeutet vielmehr die Konzepte des Web 2.0 und von Social Software nachzuvollziehen und zu versuchen, diese auf die Zusammenarbeit in den Unternehmen zu übertragen.“ [1]

Buhse und Stamer beschreiben aufgrund von Erfahrungen im eigenen Unternehmen die notwendigen strategischen Änderungen in Marketing und Public Relations, die sich aus dem Einsatz von Social Software ergeben. Sie plädieren für eine ehrlichere Kommunikationskultur, bei der auch die Außenkommunikation von den Mitarbeitern gemacht wird und das Management lediglich Themen lanciert und Richtungen vorgibt.[2] Insbesondere der Begriff der Markenführung muss in dieser Hinsicht neu überdacht werden.

[1] Richter und Koch (2007), S. 16
[2] Buhse, Willms (2008): Schönheit kommt von innen. Die neue Kommunikationskultur eines Enterprise 2.0. In: Buhse und Stamer (2008)

Literatur

* McAfee, Andrew (Spring 2006): Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration. In: MIT Sloan Management Review, Jg. 47, H. 3, S. 20–28.
* Koch, Michael; Richter, Alexander (2007): Enterprise 2.0. Planung, Einführung und erfolgreicher Einsatz von Social Software in Unternehmen. München: Oldenbourg.
* Buhse, Willms; Stamer, Sören (Hg.) (2008): Enterprise 2.0 - Die Kunst, loszulassen. 1. Aufl. Berlin: Rhombos-Verlag.
* Artikel in der Information Week: http://www.informationweek.com/news/management/showArticle.jhtml?articleID=197008457 (derzeit nicht erreichbar)

Weblinks

* Enterprise 2.0 Konferenz 2007
* Artikel über Buhse, Willms (2008): Schönheit kommt von innen. Die neue Kommunikationskultur eines Enterprise 2.0. In: Buhse und Stamer (2008) hier im achimbo-Blog

Wertorientierung? Schon belegt… (Marketing - reading Meffert)

Sunday, June 8th, 2008

Meffert verwendet als Grundlage seiner Untersuchungen die AMA-Definition Marketing:

“Marketing is an organizational function (1) and a set of processes (2) for creating (3), communicating (4) and delivering value to the customers (5) and for managing customer relationships (6) in ways that benefit the organization (7) and its stakeholders (8).” (S. 12)

Nach diesen Punkten/Kriterien wird das Marketing anschließend auseinandergenommen. In dieser Analyse wird “…in ways that benefit the organization (7)” mit Wertorientierung übersetzt. Damit wird der Wertebegriff sehr einseitig belegt und schließt damit schon sprachlich die Auseinandersetzung mit wertorientierten Zielgruppen (LOHAS, Peer Users) aus.
Mefferts Forderung/Ansatz, das Marketing auf alle Shareholder zu erweitern (S. 44), offenbart ein sehr weitreichendes Verständnis. Er wird von seiner Analyse (Studie der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Marketing) konterkariert, nach der Theorie und Praxis sehr weit auseinander klaffen (S. 14). Ich gehe davon aus, dass bisher noch nicht einmal die “modernen” Ansätze (siehe oben) - also die langfristige Kundenorientierung / CRM - in der Praxis richtig zum Tragen kommen.

Literatur:
* Meffert, Heribert (2008): Marketing. Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung. Konzepte-Instrumente-Praxisbeispiele. 10., vollst. überarb. u. erw. Aufl. Wiesbaden: Gabler.

Kommunikation außerhalb der Gesellschaft

Tuesday, May 27th, 2008

Lese gerade mal wieder Luhmann. Diesmal die Grundlagen: Soziale Systeme. Das ist so ein bisschen wie erst saufen und dann essen wenn’s schon schwurbelt. Um die Grundlage nachzuliefern. Dieser Beitrag beinhaltet wie immer unausgegorene Denkanstöße zum Ausschneiden und selbst zuendedenken.

Ein Punkt ist mir gerade aufgefallen, der mir mit dem Aufkommen des Semantic Web immer fragwürdiger erscheint:

Bei sozialen Systemen [...] gibt es außerhalb des Kommunikationssystems Gesellschaft überhaupt keine Kommunikation. Das System ist das einzige, das diesen Operationstypus verwendet, und ist insofern real-notwendig geschlossen.

Momentan mag dieser Standpunkt noch haltbar sein, wenn man etwa kommunizierende Maschinen nicht anerkennt, die Schnittstelleninformationen austauschen, um Prozesse zu organisieren (etwa bei UDDI und ebXML). Spätestens, wenn Rechner anfangen, menschengemachte Informationen auf semantisch sinnvolle Weise auszutauschen, die unsere Handlungen organisieren, sollte man diese Position nochmal diskutieren. Und genau das passiert derzeit in verschiedenen Forschungsprojekten zum Thema Semantic Web.

Der einzige Einwand, den ich gelten lasse, ist die Definition von Krcmar, die Informationssysteme als Einheit aus menschlichen und maschinellen Komponenten definiert. Auch diese werden aber den Menschen immer mehr an den Anfang und ans Ende von Operationen verschieben - und zwischendrin immer autarker interagieren. Man kann das mit dem Großhirn (Rechner) und dem Zwischenhirn (Triebe, fixe Programme) vergleichen. Die Aufgaben des Menschen reduzieren sich dann auf die Sinngebung (Wollen) und die Nutzung (Genießen) dieser Prozesse - also den Bereich, der sich bei psychischen Systemen im Stamm- und Zwischenhirn abspielt. Diese ordnende Kraft ist wichtig, damit das Großhirn zwischen sinnvollen und unsinnigen Operationen unterscheiden kann - anderenfalls wäre die Auswahl zwischen den möglichen Operationen willkürlich. Trotzdem wird ein immer größerer Teil der Kommunikation im maschinellen Teil unserer Informationssysteme ablaufen.

Literatur:

  • Krcmar, Helmut (2005): Informationsmanagement. Mit 41 Tabellen. 4., überarb. und erw. Aufl. Berlin: Springer.
  • Luhmann, Niklas (1987): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2006 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 666).