Archive for the ‘Musik / music’ Category

Vom Download zum Grundeinkommen - die Piraten brauchen ein konsistentes Modell

Saturday, September 26th, 2009

Ein zentraler Punkt des Piraten-Programms ist die Reform des Urheberrechts. Diese ist sicherlich sinnvoll - sie wird aber keine Mehrheit in der Bevölkerung bekommen, wenn den Menschen, die bisher von der Verwertung der Urheberrechte gelebt haben (insbesondere den Urhebern!), kein alternatives Modell zur Existenzsicherung angeboten wird. Ein wesentlicher Baustein in diesem Modell wird voraussichtlich das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) sein, auf das weitere Maßnahmen aufbauen können.

Hintergrund: Von der Bay zur Partei

Die Piratenpartei ist aus Pirate Bay hervorgegangen - einer Tauschbörse für Dateien, die woanders Geld kosten. Die Piraten begründen die Vermittlung kostenloser Downloads damit, dass der Großteil der Einnahmen aus Musik, Spielen, Texten und anderem ohnehin bei “den Majors” landet. Diese großen Labels gibt es vor allem im Musikbereich. Sie hatten dort früher die Aufgabe, die Vertriebswege für Schallplatten zu organisieren. Heute findet der Vertrieb vorwiegend im Internet und auf anderen Kanälen statt und die “Majors” werden als Wegelagerer wahrgenommen, die - kraft Gewohnheitsrecht - den Großteil des Umsatzes in überbezahlte Management- und Verwaltungsstrukturen pumpen, während die “Künstler” nur einen Bruchteil bekommen.

Aber ACHTUNG: die Piraten sind jetzt eine Partei! Wer der einseitigen Argumentation der Labels keine genauso einseitige der Raubkopierer gegenüberstellen will, sondern stattdessen konstruktiv an tragfähigen (und mehrheitsfähigen?) Modellen mitarbeiten will, der muss differenzieren. Er muss fragen, welche Dienstleistungen erbringen die Rechteverwerter, welche davon sind (noch) sinnvoll und wie kann man die bisherigen Leistungen und Rechteverteilungen besser organisieren. Das hier vorgestellte Modell schlägt vor, die Forderung eines bedingungslose Grundeinkommen zum festen Programmpunkt der Piratenpartei zu machen. Das würde sie in der Urheberrechtsreform von vielen Erklärungsnöten befreien. Darauf aufbauend soll das kapitalistische Modell der Musik-, Software- und Textproduktion wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden, damit die kreativen Branchen der Gesellschaft nicht zum Bittsteller von Transfergeldern gemacht werden und gleichzeitig das Geld bei denen landet, die die Leistungen erbringen.

Starten wir die Diskussion mit den Betroffenen!

Die Piratenpartei hat es vor der Wahl nicht mehr geschafft, ein Bekenntnis zum (oder gegen das) bedingungslose Grundeinkommen (BGE) abzulegen. Das Argument war einleuchtend: als Partei, die dafür einsteht, dass auf ihren Wikis und Foren erst einmal die Diskussion ausgetragen wird, bevor man einen Programmpunkt daraus macht, konnte das nicht ohne eine erschöpfende Diskussion über die Köpfe der Mitglieder und anderer Interessierter hinweg beschlossen werden. Trotzdem legt die oben angerissene Diskussion einen Zusammenhang zwischen BGE und den geforderten Urheberrechtsänderungen nahe. Jetzt ist der Zeitpunkt, diese Diskussion auf breiter Ebene zu führen.

Ich habe daher mal eine Diskussion im Piraten-Wiki gestartet: http://wiki.piratenpartei.de/Vom_Download_zum_Grundeinkommen - und würde mich freuen, wenn ihr euch daran beteiligt.

Berliner Kunst- und Nachtlebenszene ist kostenloses Viral Marketing vom Feinsten

Tuesday, January 6th, 2009

Offener Brief an den Regierenden Bürgermeister.

Berlin Friedrichshain: Berlin, Friedrichshain, Pflanzen, Hund, Idylle, Revaler Straße, StraßenmöblierungBerlin Freidrichshain - Mann mit SohnKonzert, Postbahnhof am Ostbahnhof, Polarkreis 18, Berlin FriedrichshainBerlin Friedrichshain, Geburtstag, Lars, Berlin: Frau mit Leo-Mantel; Dame auf der Warschauer Brücke in Berlin (Friedrichshain). Der Leo-Look ist wieder voll im Kommen

Sehr geehrter Herr Wowereit,

Berlin und insbesondere seine Ostbezirke sind in der ganzen Welt bekannt. Nicht für seine Wirtschaft, nicht nur für die großen Projekte, sondern insbesondere für die kleinteilige, zusammengewürfelte und in seiner Form einmalige Kunst- und Nachtlebenszene. Ein besseres Viral Marketing als es Blogs wie de-bug.de, ungarische Exberliner, in Berlin lebende australische Freelancer, die die Londoner Preise hierher getrieben haben oder www.iheartberlin.de bieten können, hätten wir auch mit gigantisch teuren Kampagnen nicht bekommen können. Das hat damit zu tun, dass glücklicherweise Authentizität wieder eine Rolle spielt – auch in PR und Werbung. Und diese Leute sind eben Überzeugungstäter. Jedenfalls, wenn sie nicht gerade über die sterbende Clubszene berichten (müssen).

PR-Kosten senken!

Hiermit möchte ich, Joachim Bode, daher an Sie appellieren, dass Projekte wie die Bar25 und andere vor dem “Aus” stehenden Projekte wie das Yaam, der RAW Tempel, das Cassiopeia oder der Mellowpark nicht aus unersichtlichen und sinnlosen Gründen vorschnell geräumt werden, um dadurch Platz für eine Entwicklung in Berlin zu schaffen, welche das besondere Image der Stadt Berlin - das weltweit zu etwas besonderem geworden ist - vernichtet.

DJ in Berlin: everyday life, everynight lifeSchöne Jugend in der Berliner U-Bahn Berlin, S-Bahn/U-Bahn, people, Menschen, youth, kids, black&whiteClubszene BerlinParty on, John!Bar Möbel Olfe in BerlinNachtleben: Leute draußen auf der Straße

Kulturauftrag

Ich erinnere mich an ein Interview in der Zitty oder im Tip vor einigen Jahren, in dem der damalige Kulturbeauftragte von Berlin-Friedrichshain (!) sinngemäß geäußert hat, wir hätten hier ja eine lebendige Clubszene - auch wenn er die Clubs jetzt nicht beim Namen nennen könnte…
Wie bitte??? Was hat Friedrichshain denn an Kultur von internationalem Rang so zu bieten - wenn nicht diese Clubs???
Das war etwa zu der Zeit, als der Abriss von Ostgut, Panoramabar und der Alten Maria anstanden, um mal die Namen von drei weiteren zu nennen.

Typen mit Pflanze, Berlin Friedrichshain, people, Menschen, Pflanzen, Umzug, MobiliarKonzert am Ostbahnhofneue Farbe: Berlinbuntinternationale GästeChina-Frau

Vergesellschaftung der Kosten und pseudo-elitäre Coolness-Kreise

Allerdings muss man fairerweise dazu sagen, dass auch angesagte Clubs nicht die Gewinne einstreichen und die Kosten vergesellschaften dürfen - sie sollten sich schon mit etwas höheren Mieten anfreunden. Und wenn sie sich als öffentliches Kulturgut präsentieren, sollten sie vielleicht die Türpolitik mal wieder überdenken. Auch das Heranzüchten pseudo-elitärer Coolness-Kreise ist etwas, das Berlin früher nicht nötig hatte und anderen Städten überlassen hat. Besinnen wir uns also auch hier wieder auf das Wesentliche. Aber die Chance dazu - der politische Wille - muss gegeben sein.

kulturelle Wiederkäuer

Denn was haben wir jetzt statt Ostgut und Maria? Sie sind einer O2-Arena gewichen, die alles wieder aufwärmt, was vor 20 Jahren populär war. Willkommen in der Welt der neuen Berliner Kultur, die von höchster Ebene gefördert wird!

Wenn man das unbezahlbare Image von Berlin mit Gewalt von junger, lebendiger Kultur auf satte, phantasielose kulturelle Wiederkäuer ändern will, ist man damit genau auf der richtigen Spur.

Hopfen, Malz und Konsequenzen

Ich würde das hier nicht schreiben, wenn bei Ihnen Hopfen und Malz bereits verloren wären. Aber wo wir gerade vom Image sprechen: kulturelle Wiederkäuer passen nicht zu Ihrem Ruf. Ich bin zuversichtlich, dass sich das auch in politischen Konsequenzen äußern wird, hier und an vielen anderen Stellen.

Bleiben Sie sich treu - be BERLIN!

Joachim Bode

description

Berlin am S-Bahnhof Warschauer Straße im Friedrichshain. Das Plakat zeigt die Nummer des ‘Kältebusses’ für Obdachlose. Auf der Rückseite der Plakatwand stand lange Zeit “Willkommen in der H4-Arena” - die Antwort aus der Hartz-4-Ecke auf die schräg gegenüber neu errichtete O2-Arena, mit der O2 mit Millionen-Glamour endlich den Massengeschmack in den F’Hain gebracht hat.

conspire. transmediale 08

Sunday, February 3rd, 2008

Ich hab mal ein Interview mit einem DJ gelesen, den der Interviewer gefragt hat: Warum sind Top-DJs eigentlich immer mit Topmodels zusammen?
DJ: Warum leckt sich ein Hund an den Eiern? Antwort: weil er’s kann!
In diesem Sinne berichtet euch euer rasender Reporter achimbo.de heute live von der Transmediale, dem Medienereignis im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Einfach weil er’s kann.

Auch wenn das anfangs nicht ganz so einfach zu sein schien, wie es jetzt aussieht…
Aber vielleicht muss ich weiter vorne anfangen: Ich organisiere derzeit die zweite Phase von Studien mit virtuellen Teams, die jeweils eine Website für einen realen Kunden erstellen - Kollaboration nur über virtuelle Plattformen (CollabStudie2). Dazu haben wir mehrere OpenSource-Tools mit RSS zu einer übersichtlichen Oberfläche mit “latest changes” vernetzt, damit man einen einheitlichen Einstieg in die Arbeit findet. Und dann: der SuperGAU (größter anzunehmender Unfall) - Totalausfall der DSL-Verbindung zuhause und tagsüber: Weiterbildung und auch offline.

Geht gar nicht. Daher habe ich beschlossen, mir ein Funkmodem zu besorgen, das auch funktioniert. Es ist sogar allgegenwärtig: mit Fehlermeldungen der Nummer 623, sobald ich anfange, Webseiten aufzurufen. Na gut - vielleicht müssen wir da noch mal ran, technisch.

Als ich vorhin in der S-Bahn zur Transmediale 08 saß, kam es noch dicker: Er wollte die PIN. Ich also offline. Bei dem Medienereignis im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Ich habe natürlich meine Freundin angerufen - die PIN lag ja auf dem Sofa. Dass das nicht klappen würde, hätte man schon beim Losfahren wissen können. Sie telefonierte “mal kurz” mit einer guten Freundin. Nicht dass wir nicht diverse Telefone hätten, aber da zu unterbrechen ist schwierig - und das weniger aus technischen Gründen. Aber als bessere Hälfte eines gut eingespielten Teams beantwortet sie meinen Anrufbeantworter-Hilferuf natürlich direkt nach dem Auflegen.

Rechte Seite der Transmediale-Bühne im Auditorium im

Rechte Seite der Transmediale-Bühne im Auditorium im “Haus der Kulturen der Welt”.

Das war der Moment, in dem mir peinlich bewusst wurde, dass ich im Riesenauditorium der schwangeren Auster mein Handy nicht ausgeschaltet hatte. Machte aber nichts - die Mitglieder des Panels beantworteten mein gequältes Lächeln nachsichtig mit einem noch gequälteren Lächeln. Sie waren sowieso schon am Ende - und das in jeder Hinsicht.

Linke Seite des Podiums. Der Chat als Hauptredner.

Linke Seite des Transmediale-Podiums. Der Chat als Hauptredner.

Der Anruf wäre aber gar nicht nötig gewesen: auf der Transmediale gibt es (hätte man wissen können) flächendeckend lecker WLAN. Ach ja: die Transmediale. Also: eigentlich alles wie immer. Die gleiche Mischung aus interessierten Rentnern und internationaler Multimedia-Avantgarde, total interaktive Ausstellungsstücke und - jetzt neu - ganz viele Kommentare zum Thema Social Software. Wie war das noch? Es ist alles gesagt, aber noch nicht von allen.

Fotos der Hipsters united (wieder werri internäschnl) findet ihr gegen später auf meiner Ipernity-Seite. Muss leider noch kurz ein bisschen Sir Simon Rattle gucken: der lässt jetzt wieder die Puppen tanzen, weil es das letzte mal so gut angekommen ist. Bei uns zuhause ist nämlich die Kultur ausgebrochen neuerdings. Nächste Woche is Beethoven.

Ach doch: ein Highlight war noch. Ich hab Fiona kennen gelernt, die unterrichtet auch Projektmanagement in Medienprojekten - in Irland. Vielleicht ist die nächste CollabStudie dann international. Dann können die Studis sich nicht heimlich treffen - bisher habe ich so den Verdacht, dass es da nicht immer mit rein virtuellen Dingen zugeht.

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