Archive for the ‘Systemtheorie’ Category

Tagclouds zur Navigation nutzen

Tuesday, September 2nd, 2008

Tags sind eine geniale Erfindung und ein nicht weg zu denkender Baustein des Web 2.0. Lange Zeit wurde ihr Potenzial aber gar nicht ausgeschöpft. Sowohl freie Webdienste wie delicious (del.icio.us) als auch kommerziell-geschlossene wie iBusiness sammelten zwar Tags. Artikel und Links konnten jedoch nur per Klick auf ein einziges Stichwort erreicht werden. Seine volle Wirkung entfaltet das Tagging jedoch nur, wenn die Tags in Kombination genutzt werden können: Ein Tag ist Silber - viele Tags kombiniert sind Platin, ganz klar!

Mittlerweile ist das glücklicherweise der Fall. Als das Update auf den neuen Firefox 3.0.1 mich neulich zwang, von meiner alten Button-Leiste auf die Firefox-Extension Delicious Bookmarks 2.0.95 umzusteigen, machte ich die erstaunliche Entdeckung, dass mein Traum längst in Erfüllung gegangen war. Nur eben in einer anderen Extension - delicious bietet mehrere an! In einer Sidebar kann man hier ein Stichwort anklicken und bekommt eine Reihe von verwandten Begriffen angezeigt. Bei Klick auf einen dieser Wörter erhält man die Seiten, die diese Kombination enthalten.

Diese “Erfindung” erinnert ein wenig an die “Abteilung Informations-Wiederbeschaffung” in dem genailen Retro-Thriller Brasil, denn eigentlich gab es diesen Service bereits auf einer der ersten Suchmaschinen, zu Zeiten von Lycos, HotBot und Altavista - ich habe leider vergessen, welche es war.

Damit wären wir schon bei zwei Tags. Meiner Ansicht nach könnte man das noch toppen - möglicherweise (wer hätte das gedacht) mit drei und mehr…
Ähnliche Fuktionen bietet iBusiness seit einiger Zeit. Hier gibt es neben der Tag-Suche einen Button “Verknüpfen”, über den man sich eine Tag-Cloud anzeigen lassen und die Auswahl durch weitere Tags eingrenzen kann. Seitdem nutze ich den Webdienst so, wie man einen Webdienst nutzen sollte: ich lese ihn nicht wie eine Zeitung, sondern suche - oder besser: finde - gezielt Meldungen zu dem Thema, mit dem ich mich gerade beschäftige.

Zum Thema Zeitung versus Web 2.0 habe ich übrigens gerade eine schöne Stelle in Clay Shirkys Buch Here comes everybody wiedergefunden:

“The Web didn’t itroduce a new competitor into the old ecosystem [...]. The Web created a new ecosystem [...]. We’ve long regarded the newspaper as a sensible object because it has been such a stable one, but there isn’t any logical connection among its many elements: stories from Iraq, box scores from the baseball game, and ads for everything from shoes to real estate all exist side by side in an idiosyncratic bundle. What holds a newspaper together is primarily the cost of paper, ink, and distribution. A newspaper is whatever group of printed items a publisher can bundle together and deliver profitably.” (S.60)

Schöner kann man es kaum zusammenfassen, wenn man den Unterschied zum Web herausarbeiten will, daher versuche ich es gar nicht erst.

Aber zurück zu den Tag-Kombinationen: der nächste logische Schritt wären eine Art Pakete aus Stichworten, die bestimmte Themenkreise beschreiben, für die ich noch keinen eigenen Begriff gebildet habe (”The difference that makes a difference”, um es mit einem von Luhmanns Systemtheoretikern zu sagen). Dieses “semantische Bündel” vermisse ich bisher noch.

Literatur:

  • Shirky, Clay (2008): Here comes everybody. How digital networks transform our ability to gather and cooperate. New York: Penguin Press.

Effizienz von Wikis als Technologie der Projektkommunikation

Thursday, July 31st, 2008

Wikis sind also ein sehr effektives Mittel zur Kommunikation. Sie bieten aber auch (jetzt schon) Ansätze zur Effizienz:

  1. Der die Umwelt beschreibende Kontext eines Beitrages (Metadaten zur sozialen und zeitlichen Sinndimension, also Autor, Datum, Zeit) kann automatisch erfasst werden und wird automatisch erfasst. Er erfordert also keinen zusätzlichen Zeitaufwand.
  2. Kontextangaben zur Sachdimension (Tags/Stichworte, Kategorien) müssen bisher noch manuell eingegeben werden.

Sie könnten aber bald automatisch vom System vorgeschlagen werden (dazu gibt es funktionierende Ansätze auf der Grundlage von Bayesscher Statistik) – und müssten dann nur noch vom Autor „verifiziert“, also gegebenenfalls korrigiert werden. Die Kosten in diesem Bereich lassen sich also ebenfalls senken.

Wikis sind die effektivere Kommunikationstechnologie

Thursday, July 31st, 2008

… gemäß der Definition der Kommunikation von Luhmann.

Im Gegensatz zu (wissenschaftlichen) Veröffentlichungen bzw. Protokollen bieten Wikis demnach noch genauere Möglichkeiten zur Kommunikation:

  • Durch ihre Versionierung sind sie explizit darauf ausgerichtet, unterschiedliche Auffassungen von Sachverhalten zu erkennen.
  • Die Änderungen finden innerhalb des sachlichen Zusammenhangs statt (im Kontext der Seite)
  • Die Änderungen sind mit einer Handlung (Editieren) verbunden und können damit explizit zugeordnet werden.
  • Die Begründung für die Änderung kann mitgeliefert werden. Dadurch wird vom Autor klargestellt, welche Gründe ihn zu einer abweichenden Auffassung bewegen. Er liefert also seinen Kontext mit und erleichtert damit das Prozessieren der doppelten Kontingenz.

Besser kann man das System Kommunikation im Sinne Luhmanns kaum abbilden!