Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Associate Shell Script with Terminal on MacOSX

Thursday, July 15th, 2010

Some days simply seem to be bedevilled. Like the other day, when I tried to start my MAMP automatically configuring the startup script start.sh to be launched on system startup by adding it to the System Preferences > Accounts > Login Items list. Now an Xcode window comes up after every system startup showing the code, grinning and making fun of me.

Scrutinizing the internet on that topic was not really an enlightment. I liked the idea of just opening /Applications/MAMP/bin in Finder, click “Open with…” in the context menue and - yes, just choose /bin/bash - because that is what your Terminal is. But you just cannot choose it. It’s locked, greyed out, cannot be selected. Stuck again.

Even if you start your f***ing Finder from the Terminal as sudo you will not be able to choose it.
I’m lost. Ideas anyone?

Hype Cycle

Friday, April 3rd, 2009

Habe gerade mal wieder Fachliteratur zum Thema Web-2.0-Hype gefunden, das ich hier und auch vorher schon mal behandelt hatte.

Es gibt noch eine Untersuchung, die sich mit dem Thema Hypes und technologische Entwicklungen systematisch auseinander setzt:

Fenn, J. et al., Hype Cycle for Emerging Technologies, 2004. Gartner Strategic Analysis Report, July 30, 2004.

Schon lustig, in den alten Postings zu lesen, wie man sich vor kurzem noch veteidigen musste, wenn man Wikis zum Einsatz in Unternehmen vorgeschlagen hat…

Alternativen zur Suche in MediaWiki

Wednesday, September 3rd, 2008

Der Vorteil an Social Software ist in den meisten Fällen, dass man nicht alle gewünschten Erweiterungen selbst schreiben muss. Eine Architektur mit Plugins (die wahlweise auch auf den Namen Extensions oder Module hören) ermöglicht es, Erweiterungen von anderen Nutzern einzubauen und dadurch die Software wie einen Baukasten zu benutzen. Hier einige Beispiele zur Suche - die Liste kam gerade von meinem Admin David Störmer Thomas Klein rein, der sich mit dem Problem beschäftigt:

http://www.mediawiki.org/wiki/Extension:Lucene-search
Aktuelles Suchengin von wikipedia mit Ähnlichkeits-/Synonymsuche

http://www.mediawiki.org/wiki/Extension:Multi-Category_Search
Erinnert an eine Googlesuche: mit jedem weiteren Suchbegriff schränkt man die Suche weiter ein

http://www.mediawiki.org/wiki/Extension:RigorousSearch
die laut Entwickler sehr langsam ist und viele Ressourcen frisst, allerdings wirklich eine “Volltext”-suche ist, mit der man auch nach Wikisyntax (Bearbeiten-Ansicht) suchen kann, die auf der Seite gar nicht sichtbar ist.

http://www.mediawiki.org/wiki/Extension:SphinxSearch
Behauptet von sich besser zu sein als eingebaute Suche. Soll ähnlich Lucene-search sein und des weiteren eine Did-you-mean Funktion haben (alternative, ähnliche Ausdrücke/Worte/Begriffe)

http://www.mediawiki.org/wiki/Extension:Wildcard_search
Erlaubt das Nutzen von Wildcarts in der Suche Pro* findet Problem und Probe

Wie den Kommentaren zu entnehmen ist, bieten einige der Extensions nur marginale Vorteile oder befinden sich noch in der Beta-Phase. Die meisten werden sich jedoch weiter entwickeln.

Nachtrag 5.9.08:

  • Berichtigung: die erste Version dieses Postings behauptete, dass die Liste von Thomas Klein zusammen gestellt wurde - sie stammt aber von unserem anderen Admin David Störmer - bitte vielmals um Entschuldigung.
  • Ich wusste noch, dass ich einmal eine Semantic-Web-Erweiterung für MediaWiki gefunden hatte - dank delicious war der Link noch da: http://semantic-mediawiki.org/wiki/Main_Page

http://semantic-mediawiki.org/wiki/Main_Page
Eine “Factbox” gibt einen Kurzüberblick über die semantische Beschreibung des Inhalts der Seite. Dieser besteht aus Eigenschaft-Wert-Paaren wie Bevölkerung:3,410,000.

Messen

Monday, August 25th, 2008

reading Bruhn (2005): Unternehmens- und Marketing-Kommunikation

Geschichte von Messen

Standorte
Messen entwickelten sich in Europa zuerst in der Champagne, dann – mit Verschiebung zum Nordseehandel der Hanse – nach Holland. In Deutschland fanden bereits im Mittelalter an den heutigen Messezentren Messen statt: in Frankfurt bereits ab 1240, in Dresden ab dem 14. Jahrhundert (Hannover kam erst nach dem 2. Weltkrieg dazu – als Gegenpol zu Dresden, das direkt nach dem Krieg durchgestartet hatte und bereits 1955 nicht nur Aussteller der UdSSR, sondern auch über 1000 westliche zeigte).

Messeformen
Mit den verbesserten Verkehrsverbindungen im 19. Jahrhundert wandelten sich die Messen von Waren- zu Mustermessen – man konnte die Masse jetzt nachliefern. Die erst reine Mustermesse fand 1895 in Dresden statt.

Literatur
Bruhn (2005): Unternehmens- und Marketing-Kommunikation

ActiveCollab 1.0 mit MVC-Modulen

Monday, August 18th, 2008

ActiveCollab ist ein OpenSource-Nachbau der SaaS-Kollaborationsplattform BaseCamp, die von den Machern von Ruby-on-Rails ursprünglich zur Koordination ihrer eigenen Zusammenarbeit erstellt wurde.

ActiveCollab 1.0 kann durch Module erweitert werden, die dem MVC-Pattern folgen. Jedes Modul hat eine kleine Business-Logic, eine Oberflächendefinition, die das Template/Presentation Framework Smarty benutzt und einen Controller, der sich um die Ablaufsystematik kümmert.

Für Details siehe Active Collab Website.

Langsam kommen wir unserem OpenSource-Arbeitsoberflächen-Baukasten näher. Schritt für Schritt. Leider wird ActiveCollab vorgeworfen, “nicht mehr ganz so OpenSource” zu sein, wie es das mal war. Verfechter der reinen Lehre haben daher den frei verfügbaren Code in einem neuen Projekt - ProjectPier - weitergeführt. Man darf gespannt sein, ob ProjectPier nachlegt…

Aurora User Interface

Monday, August 18th, 2008

Ein Haufen interessanter Ideen:


Aurora (Part 1) from Adaptive Path on Vimeo.

Das Interface ist eine Antwort von adaptivepath auf eine Initiative der Mozilla Foundation, in der sie die Netzgemeinde dazu aufruft, Ideen und Konzepte für die Weiterentwicklung des Firefox-Browsers einzureichen.

Für nähere Informationen siehe Heise Newsticker.

Marketingforschung: Werte und Persönlichkeit

Tuesday, June 10th, 2008

Habe Meffert 2008 inzwischen weiter gelesen:

ziehe meinen (vorschnellen) Blogbeitrag zum Thema „Wertorientierung? - Schon belegt“ zurück - zu Wertorientierung hat die Marketingforschung EINIGES zu sagen.

 Strukturen und Prozesse (siehe Luhmann Soziale Systeme kurz vor Seite 100)
 Aufbauende „Treppenpyramide“
o Aktivierung/Involvement
o Emotion
o Einstellung
o …
o Wertvorstellungen
o Persönlichkeit

Meffert – bzw. die Marketingforschung ist schon ganz schön weit mit der Übernahme von Forschungsergebnissen der Kognitionswissenschaften etc. – alle Achtung!
richtig ausgereifte Verhaltensmodelle
bin gespannt, was die Arbeitspsychologie im Vergleich dazu so zu bieten hat…

Zur Wertorientierung hat die Marketingforschung also EINIGES zu sagen. Eigentlich nur schade, dass sie ihre Erkenntnisse vorwiegend zur Konditionierung Pavlov’scher Kunden durch “Markenwelten” benutzt - statt sich mal wieder mit den Vor- und Nachteilen von Produkten und deren “Matching” mit Kundenbedürfnissen zu beschäftigen.

deutsch -> Luhmann, Luhmann -> deutsch

Thursday, May 15th, 2008

Ein uralter Blogeintrag, den ich eben wiedergefunden habe - auch meine Ergüsse zu Luhmann sollen der Wissenschaft nicht vorenthalten bleiben (Habe gerade gesehen, dass es zu diesem Thema - Luhmann verstehen - jetzt ein Buch gibt: Luhmann leicht gemacht)

Wenn man die Sprache eines anderen Menschen nicht versteht, helfen Wörterbücher. Wenn man die Sprache von Niklas Luhmann nicht versteht, hilft nur das Spezialdictionary: deutsch -> Luhmann, Luhmann -> deutsch. Da der Großteil der Menschheit mehr Interesse daran hat, die Erkenntnisse von Luhmann in ihre Sprache zu übersetzen, als Alltagsweisheiten in der Terminologie der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien zu verpacken, konzentrieren wir uns auf die zweite Richtung: Luhmann -> deutsch.

Luhmann: der Grund des Widerstandes [gegen eine Vermehrung der Geldmenge] ist das Festhalten am Prinzip der Summenkonstanz auf der Ebene des body politic.
deutsch: Keiner konnte sich damals vorstellen, dass 1 und 1 drei ergeben kann, wenn man lange genug daran rumfeilt. Der Mehrwert kommt eben vom Rumfeilen. Früher war es so selbstverständlich, dass 1 und 1 zwei sind, dass das völlig undenkbar war.

Luhmann: „It is like transferring money from the right hand to the left; which leaves the person neither poorer nor richer than before“. (Fußnote)
Anm. d. Übers.: Das ist ein Zitat von David Hume, 1970, “Writings in Economics”, den er hier gerade nach allen Regeln der Kunst auseinander nimmt. Glücklicherweise drückt der sich etwas klarer aus als Luhmann, kann dafür aber kein deutsch – daher soll hier eine Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche genügen.
deutsch: „Es ist wie das Spielchen ‚Linke Tasche – rechte Tasche’ – davon wird man auch nicht reicher“. (Fußnote)

Luhmann: Also Ablehnung der Paradoxie, daß Knappheit sowohl summenkonstant als auch nicht summenkonstant ist.
deutsch: Was die Jungs damals noch nicht wussten ist, dass 1 und 1 sehr wohl 3 sein kann – und man trotzdem meistens weiter rechnen kann, wie man es in der Schule gelernt hat.

Luhmann: Aber wie hilft man sich, wenn man Bank- und Kreditwesen nicht mehr ignorieren kann, statt dessen weiter?
Anm. d. Übers.: Na also, Klartext geht doch.
deutsch: Die Banken verleihen manchmal auch 3 Euro, wenn sie nur zweimal einen Euro als schlecht verzinsten Gegenwert auf den Konten armer Schlucker eingesammelt haben. Das hatte mittlerweile auch der letzte gemerkt. Und darum konnte man nicht einfach so weiter machen als sei nichts gewesen.

Luhmann: Anscheinend findet man neue Möglichkeiten einer rein wirtschaftsinternen Diifferenzierung, einer strukturierenden Differenzierung, die die Selbstreferenz des Systems unterbricht und die dann im System als eine natürliche, jedenfalls unvermeidliche Ordnung der Verhältnisse angeboten werden kann.
Anm. d. Übers.: zu früh gefreut.
deutsch: Wenn man die Menschen da draußen (und sich selbst) nicht total überfordern will, baut man sich die Wahrheit zwar anders zusammen als früher, aber immer noch so, dass man nicht alles gleich über den Haufen werfen muss, was man in der Schule gelernt hat. Genauso wie früher geht ja nicht mehr, weil da 1 und 1 immer 2 war. So war es uns in der Schule erklärt worden und deshalb war es so.
Bleiben wir also dabei, dass 1 und 1 gleich 2 ist. Damit das so bleibt, waren ja alle gegen Banken und das Geldwesen im Allgemeinen gewesen. Lenken wir die Aufmerksamkeit der anderen also auf ein anderes Thema.

Luhmann: Sie liegt in der Differenzierung zwischen Angebot und Nachfrage am Markt.
deutsch: Beschäftigen wir uns mit Angebot und Nachfrage. Dazu braucht man keine Neumathematik – und alle sind zufrieden.

Luhmann: Für den Anbieter ist Anzubietendes reichlich vorhanden, denn sonst würde er es nicht anbieten, Nachfrage dagegen knapp. Für den Nachfrager gilt das Umbekehrte.
deutsch: 1 und 1 ist immer noch zwei, aber der eine hat so viel von dem, was er verkaufen will, dass es ihm sehr klein erscheint. So ne Art Releativitätstheorie: von außen betrachtet verkauft er 1 Surfbrett, aber weil er noch 10 in der Garage hat, ist das kein großes Ding. Quasi ein kleines Surfbrett. Für den, der es kaufen will, bedeutet es Freiheit und Abenteuer, ist also ein riesiges Surfbrett.

Luhmann: Das Auseinanderziehen, die soziale Differenzierung von Angebot und Nachfrage macht es mithin möglich, das Paradox der Knappheit des Überflusses zu entparadoxieren.
deutsch: Angebot und Nachfrage sind im Gleichgewicht, obwohl – oder gerade weil – das Surfbrett für den einen ein Traum und für den anderen Peanuts ist. Dass da 1 und 1 für den einen 1,9 und für den andern 2,1 sein könnte, spielt in dem Moment auch keine Rolle.

Luhmann: Man gibt ihm zwei verschiedene Formen, die sich wechselseitig nicht mehr ausschließen, sondern gerade fordern: Angebot und Nachfrage.
In dem Moment ist dem Käufer das Surfbrett so wichtig – und der andere ist jung und braucht das Geld – dass man sich per Handshake einigt und fünfe gerade sein lässt. Schließlich ist für beide klar, dass sich hier Angebot und Nachfrage bestens ergänzen und das Ding jetzt über die Bühne gehen muss.

Luhmann: Das Auseinanderziehen beider Perspektiven setzt die systeminterne Rekonstruktion des Wirtschaftssystems als Markt voraus, und es setzt, soll es nicht nur ad hoc, sondern als System gelingen, Geld voraus.
Anm. d. Übers.: „setzt Geld voraus“ spricht glaube ich für sich. Der Rest bedeutet:
deutsch: Leider hat er gerade nichts auf Tasche. Zum Glück ist die nächste Bank um die Ecke und er geht mal eben ein paar Scheine ziehen.

Luhmann: Wenn die Differenz von Angebot und Nachfrage etabliert ist, kann auch das Paradox der Einheit wiedererscheinen – freilich nicht mehr als Paradox, sondern in gereinigter Form: als „Gleichgewicht“ von Angebot und Nachfrage. Und daran richtet sich dann die ökonomische Theorie auf.
deutsch: und – oops! – da fällt ihm plötzlich auf, dass eine Bank 1+1=3 voraussetzt. Ist ihm jetzt aber auch egal. Alle sind glücklich und gehen surfen. Von da an wird sich nicht mehr über Alt- und Neumathematik echauffiert, sondern nur noch mit Surfbrettern gedealt.

Das Ganze ist also ein bisschen so wie bei David Copperfield: guckstu hier hin (steht ja’n Surfbrett!), passu da drüben nicht auf – und schon sind 1 und 1 gleich 3. Hassu den Salat.

So. Das war Seite 203. Eigentlich wollte ich die zwei Seiten danach übersetzen und das hier war nur die Einleitung. Aber dafür reicht es jetzt nicht mehr. Die zwei Seiten danach sind aber auch sehr lustig. Da erzählt er, wie genau das Gleiche im Rechtssystem und in der Wissenschaft passiert ist. Plötzlich war alles anders und keiner hatte es gemerkt. Waren alle mit was anderem beschäftigt.

Befraute Raumfahrt

Sunday, February 17th, 2008

Wir wissen nicht genau, was sie genommen hatte. Es muss irgendwie anregend gewesen sein.

Aber erst mal zum Konzert: Mouse on Mars wieder mal in Hochform. Tim hatte mich vorher gewarnt: Mittlerweile machen sie eher Geräusche, war glaube ich die Kernaussage. Das letzte Mouse-on-Mars-Konzert, das wir vor Jahren im Columbia Fritz gesehen hatten, war denn auch noch vergleichsweise melodisch gewesen. Damals waren zwei DJs als Vorgruppe aufgetreten. Auch irgendwas Namhaftes. Als Mouse on Mars auf die Bühne kamen, teilten sie dem Publikum als erstes mit, dass sie erstaunt seien, mit welcher Gelassenheit das Berliner Publikum diese hochkarätigen MXe über sich ergehen lassen habe und deuteten an, dass sie nach einem Lied die Bühne verlassen würden, wenn die Zuhörer weiter kiffend auf dem Betonboden sitzen bleiben würden. Das Berliner Publikum hatte sich gnädig erhoben und es wurde ein gutes Konzert.

Mouse on Mars on Stage

Mouse on Stage

Diesmal - akademischer und in der Akademie der Künste - vergleichsweise symphonisch. Grandioses Klavier zum Einstieg. Spätestens beim Einsatz des Schlagzeugs konnte man die Geräusche wieder guten Gewissens als Musik bezeichnen. Wenn auch nicht die Sorte, die man als Hintergrundmusik zum Arbeiten hört.

Über die junge Dame, die bereits vor Beginn des Konzertes das Publikum mit spitzen Schreien beglückte, herrschte allgemein geteilte Meinung. Einige fanden den Auftritt anmaßend. Meiner persönlichen Meinung nach fügte sich der Auftritt ganz gut ins Bild. Ihre gelegentlichen spitzen Schreie waren weit weniger irritierend als die elektronischen Tonsignale, die bereits vor dem Auftritt begonnen hatten und die arythmisch und atonal das erste Klaviersolo durchzogen. Nach diversen tänzerischen Einlagen auf einer Art Treppengeländer neben den Stuhlreihen brüllte irgendjemand “Geh doch auf die Bühne!”

Alien auf roter Erde: die Weltraumtouristin bei Mouse on Mars

Alien auf roter Erde: die Weltraumtouristin bei Mouse on Mars

Sie: “Darf ich?” Die Zwischenrufe ergaben kein eindeutiges Meinungsbild, aber das hätte sie sowieso nicht aufgehalten. Als sie direkt am rechten Bühnenrand verschwand, dachte man schon, Madame würde kneifen, wurde aber sofort von einer Art Schattenspiel eines besseren belehrt. Kurze Zeit später fing sie an, auf der Bühne Räder zu schlagen. Spätestens der Einsatz als zweite Stimme beim Schlagzeug hätte zum Eklat führen können. Die Marsmäuse ließen sich aber in keinster Weise aus der Ruhe bringen. Experiment auf der ganzen Linie.

Alle Bilder

Mouse on Mars - immer wieder gerne. Nur eben nicht als Hintergrundmusik. Und die Weltraumtouristin wäre gar nicht nötig gewesen. Die Musik war auch anregend. Vor allem das letzte Stück.

Blogging für die Wissenschaft?

Friday, March 2nd, 2007

Der Unterschied zwischen einem Blog und einer wissenschaftlichen Veröffentlichung besteht unter anderem darin, dass ein Blog eher ein Tagebuch dessen darstellt, was in der Usability-Forschung (wenn auch mit anderen Zielen) als „Thinking Loud“, als Methode des lauten Denkens bezeichnet wird. Das impliziert, dass es hier erlaubt ist, unreife Hypothesen auszuspinnen, die in wissenschaftlichen Veröffentlichungen schon etwas fundierter dargelegt werden sollten.

Schnell und vorläufig
Auch wissenschaftliche Papers haben – siehe Poppers kritischer Realismus – keinen Anspruch auf Endgültigkeit (über ihnen hängt lebenslänglich das Damoklesschwert der Falsifikation). Insbesondere in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, die auf empirischer Forschung aufbauen müssen, kann also von Endgültigkeit keine Rede sein.
Trotzdem haben Blogs eine andere Qualität: sie können dazu dienen, die wirren Gedankengänge widerzugeben, die erst zu einer Hypothese führen sollen. Mit der Lektüre eines Blogs bekommt man also eine Historie der Gedanken - ähnlich den Darstellungen in Case Studies, wo die Situation der Unwissenheit zum Ausgangspunkt gemacht wird und dann beschrieben wird, wie sich langsam Ergebnisse herauskristallisieren. Und sie können ein frühes Feedback - und damit ein kollaboratives Forschen - ermöglichen.

Action Research
In den schnelllebigen Bereichen der Wirtschaftswissenschaften – insbesondere dort, wo der Einfluss einer sich rasant entwickelnden Technologie eine Rolle spielt – können Blogs daher wissenschaftliche Überlegungen bereits verbreiten, bevor langwierige empirische Untersuchungen abgeschlossen sind. In diesem Sinne sind auch die wissenschaftlichen Methoden bereits dabei sich zu verändern. So sprechen etwa Probst und Romhardt in Bausteine des Wissensmanagements - ein praxisorientierter Ansatz von „Action Research“, einem Ansatz, bei dem die klassische Reihenfolge von Hypothesenbildung und ihrer Untermauerung durch Versuche umgedreht wird:

Für die Wirtschaftsinformatik hat sich deshalb ein auf Prototypen und Fallstudien baisertes Vorgehen etabliert, das schließlich auch im anglo-amerikanischen Raum als recht verbreitete Form des „Action Research“ umgesetzt werden kann. Dazu wird zunächst eine gemeinsam von Praxis und Wissenschaft definierte Problemstellung strukturiert, um danach vor dem theoretischen und praktischen Erfahrungshintergrund Vorschläge zu entwickeln, wie die betriebliche Wirklichkeit zu gestalten ist. Durch die Umsetzung dieser Gestaltungsempfehlungen in der Praxis können diese Vorschläge überprüft und die dahinter liegende Theorie verfeinert und angepasst werden [vgl. Österle et al. 1999, 35ff]. Dieses Vorgehen impliziert immer auch die Forderung nach der Bildung oder Fundierung von Theorien.

(Quelle: Probst, G.J.B. & Romhardt, K., 1997)

Design Research
Auch Marktforschung und Usabilityuntersuchungen werden unter dem Gesichtspunkt der Geschwindigkeit effektiver, wenn unter dem Begriff „Design Research“ (Einführung ins Thema Design Research, engl.) Zielgruppenpräferenzen neuerdings eher an Personas (siehe z.B. Brenda Laurel Interview Design Research, engl.) festgemacht werden als an langwierigen und aufwendigen Millieustudien. Auch wenn ein wissenschaftliches „Time-to-Market“ hier nicht das Ziel war, sondern eher die Feststellung, dass die klassische Einteilung soziodemografische Zielgruppen vielleicht nicht mehr ganz zutreffend ist (wie wir das in Bode, J.; König, A.: “Vernetzte Medienproduktionen im Wandel”, in: Lippert, Werner (Hrsg.): Annual Multimedia 2007, S. 44-54; Walhalla Fachverlag, Regensburg) kurz angerissen haben, könnte dieser Ansatz zu einer weniger aufwändigen Forschung, schneller gefassten Hypothesen und damit einer schnelleren Diskussion von Zwischenergebnissen führen.

Man beachte allerdings, dass die Vertreter beider Ansätze (Action Research und Design Research) hervorheben, dass die dadurch gewonnen Hypothesen anschließend durch wissenschaftliche Untersuchungen und Ausarbeitungen untermauert und belegt werden müssen.

Beratungs- und Trendforschungsunternehmen
Ein weiteres Beispiel ist die Durchführung von sowohl qualitativen als auch vor allem quantitativen Umfragen durch Beratungs- und Trendforschungsunternehmen: Über meinen iBusiness-Account erfahre ich in unserem Bereich der Multimedia-Agenturen deutlich schneller über relevantes Zahlenmaterial als durch wissenschaftliche Veröffentlichungen. Auch hier kann man sich über die statistische Signifikanz der Stichprobe für die untersuchte Population streiten (vgl. Bortz, J.; Döring, N.: Forschungsmethoden und Evaluation: für Human- und Sozialwissenschaftler, 3. überarb. Aufl., Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 2002). Zur Gewinnung erster Hypothesen können sie jedoch – im Vergleich zu den klassischen, selbst angestellten Erhebungen – zu enormen Steigerungen der Geschwindigkeit führen.

Öffentliches Peer-Reviewing
In diesem Sinne haben auch die renommierten wissenschaftlichen Publikationsorgane begonnen, sich mit den neuen Methoden auseinander zu setzen und erste Versuch unternommen, den Peer-Reviewing-Prozess öffentlich zu machen und ins Netz zu übertragen:

“We’re not convinced that peer review has to be changed,” said Linda Miller, Nature’s executive editor. “But just because peer review has always been done a certain way doesn’t mean that it’s the best way to select manuscripts.”

(Quelle: Fallik, Dawn: Casting wide net for peers’ review - Some academic journals are replacing the secret-evaluation part of the process with online critiques for research authors, Blog des Philadelphia Inquiror vom 20.10.2006)

Blogs als Vorstufe
Hier soll keiner unwissenschaftlichen Forschung das Wort geredet werden. Aber die Zunahme der Geschwindigkeit bei der Hypothesenbildung und die schnellere Veröffentlichung und damit Diskussion von Annahmen durch Blogs können doch zu einer neuen Qualität wissenschaftlicher Forschung beitragen. In diesem Sinne bitte ich auch die hier veröffentlichten „Knowlets“ – kleiner Abrisse von täglichen Gedanken, die teilweise nicht weiterverfolgt werden können – zu betrachten.

Im systemtheoretischen Wissenschaftsbegriff von Luhmann müsste man Einträge in Blogs also wohl eher der Umwelt des wissenschaftlichen Systems zuordnen. Sie sind Teil der gesellschaftlichen, nicht der wissenschaftlichen Kommunikation und bestenfalls eine Vorstufe zur wissenschaftlichen Erkenntnis und können als solche (aber das eben schneller) Irritationen im wissenschaftlichen System hervorrufen. Im Luhmannschen Sinne anschlussfähig für wissenschaftliche Operationen können sie nicht sein (vgl. Luhmann, Niklas: Die Wissenschaft der Gesellschaft, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1992).

Blogs geben also teilweise unausgegorene Ideen und Entwürfe wider, auch dieser. Daher mein Disclaimer: Die Ziehung der Bloggozahlen auch in diesem Blog - wie immer ohne Gewähr.