Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Enterprise 2.0 setzt sich durch - WISYWYG-Editor für Wikipedia

Thursday, October 28th, 2010

Nach anfänglichem Zögern haben deutsche Unternehmen das Potential von Social Software im Unternehmen erkannt. Ein Manko gängiger Open Source-Wikis ist bisher die komplizierte Wikisyntax. Wir erstellen derzeit bei Twoonix einen neuartigen MediaWiki-Editor (TWX-Editor), der die Bedienung kinderleicht macht.

Screenshot TWX-Editor

Historie

Als ich 2006 für das BMBF-Forschungsprojekt 4CforMedia engagiert wurde, das sich der Untersuchung von Einsatzmöglichkeiten von Social Software im Projektmanagement widmete, hat man mich noch für verrückt erklärt. Der Fokus des Projekts auf der Branche Internetagenturen, da man sich hier am ehesten vorstellen konnte, dass die Mitarbeiter bereit und in der Lage sein würden, die Tools zu verstehen und zu bedienen. Unsere ersten Interviews mit Technik-Chefs, Geschäfsführern und Projektmanagern großer Internetagenturen ergaben, dass dort gelegentlich Wikis zum Wissensmanagement im Technik-Bereich eingesetzt wurden - sonst arbeitete man mit klassischer Projektmanagement-Software, die bei den PMs wegen ihrer Sperrigkeit weitgehend verhasst waren.

Situation heute

Mittlerweile scheint sich das Thema durchgesetzt zu haben. Firmen haben das Potential erkannt und festgestellt, dass der Mehraufwand minimal ist und sich schnell armortisiert, wenn man die Vorteile der Kollaboration, Übersichtlichkeit und Dokumentation aufsummiert. Habe dazu gerade einige Interviews in der Nachlese der DMEXCO 2010 von Melanie Unbekannt gefunden, die das dokumentieren (Sie heißt wirklich so ;). Ekaabo-Gründer Marco Ripanti beschreibt im Interview, dass auch Mitarbeiter, die nur ein paar Meter auseinander sitzen, sich gerne über Skype austauschen.

Diese Variante scheint für den Moment effektiv zu sein (sonst würden die Mitarbeiter sie nicht nutzen) - effizient ist sie nicht, da der Vorteil der Dokumentation nicht genutzt wird. Die Informationen werden zwar lokal gespeichert, können aber nicht von anderen Mitarbeitern gefunden, angereichert, weiterentwickelt und zu einer Wissensbasis ausgebaut werden.

Wikis in Unternehmen

Insbesondere Wikis halten einen rasanten Einzug, da sie diese Komponenten ideal verbinden. Christian Boris Schmidt, Gründer von Ecato bemängelt im Interview allerdings, dass Mitarbeiter dafür die “Wiki-Syntax” erlernen müssen.

Auch Oliver Berger nimmt in einem anderen Interview zu diesem Punkt Stellung. Seiner Ansicht nach hat dieser Mangel dazu geführt, dass bisher in großen Unternehmen häufig proprietäre Software eingesetzt wurde.

Gedanken von Oliver Berger zu Enterprise 2.0 from Melanie Unbekannt on Vimeo.

Solche Systeme können aber schnell zum Datengrab werden, wenn der Hersteller etwa beschließt, die Kosten der Wartungsverträge drastisch zu erhöhen oder “strategische Kooperationen” einzugehen - etwa mit einem ERP-Anbieter.

Wikimedia, Wikipedia und Unternehmen

Open Source Wikis eignen sich besser für diese Aufgabe. Damit die oben genannten Mankos mittelfristig ausgeglichen werden können, engagieren wir uns seit langem für Kooperationen zwischen Open Source Wikis und Vertretern aus der Wirtschaft.

Pavel Richter, GF Wikimedia Deutschland

Pavel Richter, GF Wikimedia Deutschland

So hat die Twoonix Software GmbH (Twitter, Blog) Pavel Richter, Geschäftsführer der Wikimedia Deutschland e.V. und seinenen Chefentwickler Daniel Kinzler bereits vor einiger Zeit mit großen Unternehmen zusammen gebracht, die Mediawiki (die Software der Wikipedia) intern für Wissensmanagement, Projektmanagement und andere Aufgaben nutzen. Vor kurzem haben wir beide zudem mit VOLKSWAGEN zusammen gebracht, unserem Hauptkunden im Wissensmanagement-Bereich. Auch hier ging es um mögliche Kooperationen beim Ausbau der MediaWiki-Software im Zusammenspiel mit Unternehmen.

WYSYWikis jetzt Open Source - der TWX-Editor

Daniel Kinzler, Chefentwickler Wikimedia Deutschland

Daniel Kinzler, Chefentwickler Wikimedia Deutschland

Ich bin bei Twoonix derzeit für die Erstellung eines neuen WYSYWIG-Editors für MediaWiki verantwortlich - eine Beta-Version wird derzeit getestet. Der TWX-Editor geht in seinen Fähigkeiten weit über das hinaus, was alle bisher bestehenden Editoren können. Insbesondere lässt er nicht geänderten Wiki-Sourcecode unangetastet. Dies ist der Hauptkritikpunkt und laut Chefentwickler Daniel Kinzler der Grund, warum die Wikipedia bisher keinen RichtText-Editor einsetzt. Während andere Rich Text-WYSIWYG-Editoren den kompletten Text “zurückparsen”, zerstört der TWX-Editor bestehende Seiten mit komplexem Wikisyntax-Code nicht.

Auch für Unternehmen ist dieser Punkt ein wichtiger Faktor, wenn nicht die Conditio sine qua non für den Einsatz eines solchen Editors. Vor allem natürlich, wenn sie MediaWiki bereits seit längerem einsetzen. Das ist jedoch in den meisten Unternehmen der Fall (siehe Joachim Bode: Pragmatisches Wissensmanagement im Intranet im Annual Multimedia 2010). Der Editor wird es weiterhin ermöglichen, semantische Informationen bequem und ohne Syntax-Kenntnisse im Wiki zu hinterlegen, was das Wiki zu einem weit präziseren Knowledge-Management-Tool macht als eine gewöhnliche Wiki-Website. Damit wird es auch Nutzern, die lediglich den Umgang mit den gewohnten Office-Tools kennen möglich, ihr Wissen der Community in ihrer Firma schnell und leicht verständlich zur Verfügung zu stellen.

Unterschriftenaktion für inhaftierte iranische Bloggerin

Tuesday, August 24th, 2010

Liebe Blogleser,

meine gute Freundin Ingrid von Reporter ohne Grenzen kämpft gerade erbittert für eine inhaftierte iranische Bloggerin. Shiva Nazar Ahari wurde in der Folge der umstrittenen iranischen Präsentschaftswahl festgenommen, auch ihre Anwältin wurde kurz darauf inhaftiert. Ihr wird neben anderen Vergehen vorgeworfen, sich der “Moharebeh”, der Feindschaft gegen Gott schuldig gemacht zu haben und ihr droht die Todesstrafe.

Reporter ohne Grenzen (ROG) ruft jetzt dazu auf, eine am 24. August gestartete Online-Petition zur Rettung von Shiva Nazar Ahari zu unterzeichnen. Die Online-Petition kann hier unterzeichnet werden:

http://www.reporter-ohne-grenzen.de/kampagnen-aktionen/petition-iran/petition-iran.html

Ich würde mich freuen, wenn einige weitere Menschen mitmachen und ihr die Nachricht weiter verbreitet.

Associate Shell Script with Terminal on MacOSX

Thursday, July 15th, 2010

Some days simply seem to be bedevilled. Like the other day, when I tried to start my MAMP automatically configuring the startup script start.sh to be launched on system startup by adding it to the System Preferences > Accounts > Login Items list. Now an Xcode window comes up after every system startup showing the code, grinning and making fun of me.

Scrutinizing the internet on that topic was not really an enlightment. I liked the idea of just opening /Applications/MAMP/bin in Finder, click “Open with…” in the context menue and - yes, just choose /bin/bash - because that is what your Terminal is. But you just cannot choose it. It’s locked, greyed out, cannot be selected. Stuck again.

Even if you start your f***ing Finder from the Terminal as sudo you will not be able to choose it.
I’m lost. Ideas anyone?

Hype Cycle

Friday, April 3rd, 2009

Habe gerade mal wieder Fachliteratur zum Thema Web-2.0-Hype gefunden, das ich hier und auch vorher schon mal behandelt hatte.

Es gibt noch eine Untersuchung, die sich mit dem Thema Hypes und technologische Entwicklungen systematisch auseinander setzt:

Fenn, J. et al., Hype Cycle for Emerging Technologies, 2004. Gartner Strategic Analysis Report, July 30, 2004.

Schon lustig, in den alten Postings zu lesen, wie man sich vor kurzem noch veteidigen musste, wenn man Wikis zum Einsatz in Unternehmen vorgeschlagen hat…

Alternativen zur Suche in MediaWiki

Wednesday, September 3rd, 2008

Der Vorteil an Social Software ist in den meisten Fällen, dass man nicht alle gewünschten Erweiterungen selbst schreiben muss. Eine Architektur mit Plugins (die wahlweise auch auf den Namen Extensions oder Module hören) ermöglicht es, Erweiterungen von anderen Nutzern einzubauen und dadurch die Software wie einen Baukasten zu benutzen. Hier einige Beispiele zur Suche - die Liste kam gerade von meinem Admin David Störmer Thomas Klein rein, der sich mit dem Problem beschäftigt:

http://www.mediawiki.org/wiki/Extension:Lucene-search
Aktuelles Suchengin von wikipedia mit Ähnlichkeits-/Synonymsuche

http://www.mediawiki.org/wiki/Extension:Multi-Category_Search
Erinnert an eine Googlesuche: mit jedem weiteren Suchbegriff schränkt man die Suche weiter ein

http://www.mediawiki.org/wiki/Extension:RigorousSearch
die laut Entwickler sehr langsam ist und viele Ressourcen frisst, allerdings wirklich eine “Volltext”-suche ist, mit der man auch nach Wikisyntax (Bearbeiten-Ansicht) suchen kann, die auf der Seite gar nicht sichtbar ist.

http://www.mediawiki.org/wiki/Extension:SphinxSearch
Behauptet von sich besser zu sein als eingebaute Suche. Soll ähnlich Lucene-search sein und des weiteren eine Did-you-mean Funktion haben (alternative, ähnliche Ausdrücke/Worte/Begriffe)

http://www.mediawiki.org/wiki/Extension:Wildcard_search
Erlaubt das Nutzen von Wildcarts in der Suche Pro* findet Problem und Probe

Wie den Kommentaren zu entnehmen ist, bieten einige der Extensions nur marginale Vorteile oder befinden sich noch in der Beta-Phase. Die meisten werden sich jedoch weiter entwickeln.

Nachtrag 5.9.08:

  • Berichtigung: die erste Version dieses Postings behauptete, dass die Liste von Thomas Klein zusammen gestellt wurde - sie stammt aber von unserem anderen Admin David Störmer - bitte vielmals um Entschuldigung.
  • Ich wusste noch, dass ich einmal eine Semantic-Web-Erweiterung für MediaWiki gefunden hatte - dank delicious war der Link noch da: http://semantic-mediawiki.org/wiki/Main_Page

http://semantic-mediawiki.org/wiki/Main_Page
Eine “Factbox” gibt einen Kurzüberblick über die semantische Beschreibung des Inhalts der Seite. Dieser besteht aus Eigenschaft-Wert-Paaren wie Bevölkerung:3,410,000.

Messen

Monday, August 25th, 2008

reading Bruhn (2005): Unternehmens- und Marketing-Kommunikation

Geschichte von Messen

Standorte
Messen entwickelten sich in Europa zuerst in der Champagne, dann – mit Verschiebung zum Nordseehandel der Hanse – nach Holland. In Deutschland fanden bereits im Mittelalter an den heutigen Messezentren Messen statt: in Frankfurt bereits ab 1240, in Dresden ab dem 14. Jahrhundert (Hannover kam erst nach dem 2. Weltkrieg dazu – als Gegenpol zu Dresden, das direkt nach dem Krieg durchgestartet hatte und bereits 1955 nicht nur Aussteller der UdSSR, sondern auch über 1000 westliche zeigte).

Messeformen
Mit den verbesserten Verkehrsverbindungen im 19. Jahrhundert wandelten sich die Messen von Waren- zu Mustermessen – man konnte die Masse jetzt nachliefern. Die erst reine Mustermesse fand 1895 in Dresden statt.

Literatur
Bruhn (2005): Unternehmens- und Marketing-Kommunikation

ActiveCollab 1.0 mit MVC-Modulen

Monday, August 18th, 2008

ActiveCollab ist ein OpenSource-Nachbau der SaaS-Kollaborationsplattform BaseCamp, die von den Machern von Ruby-on-Rails ursprünglich zur Koordination ihrer eigenen Zusammenarbeit erstellt wurde.

ActiveCollab 1.0 kann durch Module erweitert werden, die dem MVC-Pattern folgen. Jedes Modul hat eine kleine Business-Logic, eine Oberflächendefinition, die das Template/Presentation Framework Smarty benutzt und einen Controller, der sich um die Ablaufsystematik kümmert.

Für Details siehe Active Collab Website.

Langsam kommen wir unserem OpenSource-Arbeitsoberflächen-Baukasten näher. Schritt für Schritt. Leider wird ActiveCollab vorgeworfen, “nicht mehr ganz so OpenSource” zu sein, wie es das mal war. Verfechter der reinen Lehre haben daher den frei verfügbaren Code in einem neuen Projekt - ProjectPier - weitergeführt. Man darf gespannt sein, ob ProjectPier nachlegt…

Aurora User Interface

Monday, August 18th, 2008

Ein Haufen interessanter Ideen:


Aurora (Part 1) from Adaptive Path on Vimeo.

Das Interface ist eine Antwort von adaptivepath auf eine Initiative der Mozilla Foundation, in der sie die Netzgemeinde dazu aufruft, Ideen und Konzepte für die Weiterentwicklung des Firefox-Browsers einzureichen.

Für nähere Informationen siehe Heise Newsticker.

Marketingforschung: Werte und Persönlichkeit

Tuesday, June 10th, 2008

Habe Meffert 2008 inzwischen weiter gelesen:

ziehe meinen (vorschnellen) Blogbeitrag zum Thema „Wertorientierung? - Schon belegt“ zurück - zu Wertorientierung hat die Marketingforschung EINIGES zu sagen.

 Strukturen und Prozesse (siehe Luhmann Soziale Systeme kurz vor Seite 100)
 Aufbauende „Treppenpyramide“
o Aktivierung/Involvement
o Emotion
o Einstellung
o …
o Wertvorstellungen
o Persönlichkeit

Meffert – bzw. die Marketingforschung ist schon ganz schön weit mit der Übernahme von Forschungsergebnissen der Kognitionswissenschaften etc. – alle Achtung!
richtig ausgereifte Verhaltensmodelle
bin gespannt, was die Arbeitspsychologie im Vergleich dazu so zu bieten hat…

Zur Wertorientierung hat die Marketingforschung also EINIGES zu sagen. Eigentlich nur schade, dass sie ihre Erkenntnisse vorwiegend zur Konditionierung Pavlov’scher Kunden durch “Markenwelten” benutzt - statt sich mal wieder mit den Vor- und Nachteilen von Produkten und deren “Matching” mit Kundenbedürfnissen zu beschäftigen.

deutsch -> Luhmann, Luhmann -> deutsch

Thursday, May 15th, 2008

Ein uralter Blogeintrag, den ich eben wiedergefunden habe - auch meine Ergüsse zu Luhmann sollen der Wissenschaft nicht vorenthalten bleiben (Habe gerade gesehen, dass es zu diesem Thema - Luhmann verstehen - jetzt ein Buch gibt: Luhmann leicht gemacht)

Wenn man die Sprache eines anderen Menschen nicht versteht, helfen Wörterbücher. Wenn man die Sprache von Niklas Luhmann nicht versteht, hilft nur das Spezialdictionary: deutsch -> Luhmann, Luhmann -> deutsch. Da der Großteil der Menschheit mehr Interesse daran hat, die Erkenntnisse von Luhmann in ihre Sprache zu übersetzen, als Alltagsweisheiten in der Terminologie der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien zu verpacken, konzentrieren wir uns auf die zweite Richtung: Luhmann -> deutsch.

Luhmann: der Grund des Widerstandes [gegen eine Vermehrung der Geldmenge] ist das Festhalten am Prinzip der Summenkonstanz auf der Ebene des body politic.
deutsch: Keiner konnte sich damals vorstellen, dass 1 und 1 drei ergeben kann, wenn man lange genug daran rumfeilt. Der Mehrwert kommt eben vom Rumfeilen. Früher war es so selbstverständlich, dass 1 und 1 zwei sind, dass das völlig undenkbar war.

Luhmann: „It is like transferring money from the right hand to the left; which leaves the person neither poorer nor richer than before“. (Fußnote)
Anm. d. Übers.: Das ist ein Zitat von David Hume, 1970, “Writings in Economics”, den er hier gerade nach allen Regeln der Kunst auseinander nimmt. Glücklicherweise drückt der sich etwas klarer aus als Luhmann, kann dafür aber kein deutsch – daher soll hier eine Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche genügen.
deutsch: „Es ist wie das Spielchen ‚Linke Tasche – rechte Tasche’ – davon wird man auch nicht reicher“. (Fußnote)

Luhmann: Also Ablehnung der Paradoxie, daß Knappheit sowohl summenkonstant als auch nicht summenkonstant ist.
deutsch: Was die Jungs damals noch nicht wussten ist, dass 1 und 1 sehr wohl 3 sein kann – und man trotzdem meistens weiter rechnen kann, wie man es in der Schule gelernt hat.

Luhmann: Aber wie hilft man sich, wenn man Bank- und Kreditwesen nicht mehr ignorieren kann, statt dessen weiter?
Anm. d. Übers.: Na also, Klartext geht doch.
deutsch: Die Banken verleihen manchmal auch 3 Euro, wenn sie nur zweimal einen Euro als schlecht verzinsten Gegenwert auf den Konten armer Schlucker eingesammelt haben. Das hatte mittlerweile auch der letzte gemerkt. Und darum konnte man nicht einfach so weiter machen als sei nichts gewesen.

Luhmann: Anscheinend findet man neue Möglichkeiten einer rein wirtschaftsinternen Diifferenzierung, einer strukturierenden Differenzierung, die die Selbstreferenz des Systems unterbricht und die dann im System als eine natürliche, jedenfalls unvermeidliche Ordnung der Verhältnisse angeboten werden kann.
Anm. d. Übers.: zu früh gefreut.
deutsch: Wenn man die Menschen da draußen (und sich selbst) nicht total überfordern will, baut man sich die Wahrheit zwar anders zusammen als früher, aber immer noch so, dass man nicht alles gleich über den Haufen werfen muss, was man in der Schule gelernt hat. Genauso wie früher geht ja nicht mehr, weil da 1 und 1 immer 2 war. So war es uns in der Schule erklärt worden und deshalb war es so.
Bleiben wir also dabei, dass 1 und 1 gleich 2 ist. Damit das so bleibt, waren ja alle gegen Banken und das Geldwesen im Allgemeinen gewesen. Lenken wir die Aufmerksamkeit der anderen also auf ein anderes Thema.

Luhmann: Sie liegt in der Differenzierung zwischen Angebot und Nachfrage am Markt.
deutsch: Beschäftigen wir uns mit Angebot und Nachfrage. Dazu braucht man keine Neumathematik – und alle sind zufrieden.

Luhmann: Für den Anbieter ist Anzubietendes reichlich vorhanden, denn sonst würde er es nicht anbieten, Nachfrage dagegen knapp. Für den Nachfrager gilt das Umbekehrte.
deutsch: 1 und 1 ist immer noch zwei, aber der eine hat so viel von dem, was er verkaufen will, dass es ihm sehr klein erscheint. So ne Art Releativitätstheorie: von außen betrachtet verkauft er 1 Surfbrett, aber weil er noch 10 in der Garage hat, ist das kein großes Ding. Quasi ein kleines Surfbrett. Für den, der es kaufen will, bedeutet es Freiheit und Abenteuer, ist also ein riesiges Surfbrett.

Luhmann: Das Auseinanderziehen, die soziale Differenzierung von Angebot und Nachfrage macht es mithin möglich, das Paradox der Knappheit des Überflusses zu entparadoxieren.
deutsch: Angebot und Nachfrage sind im Gleichgewicht, obwohl – oder gerade weil – das Surfbrett für den einen ein Traum und für den anderen Peanuts ist. Dass da 1 und 1 für den einen 1,9 und für den andern 2,1 sein könnte, spielt in dem Moment auch keine Rolle.

Luhmann: Man gibt ihm zwei verschiedene Formen, die sich wechselseitig nicht mehr ausschließen, sondern gerade fordern: Angebot und Nachfrage.
In dem Moment ist dem Käufer das Surfbrett so wichtig – und der andere ist jung und braucht das Geld – dass man sich per Handshake einigt und fünfe gerade sein lässt. Schließlich ist für beide klar, dass sich hier Angebot und Nachfrage bestens ergänzen und das Ding jetzt über die Bühne gehen muss.

Luhmann: Das Auseinanderziehen beider Perspektiven setzt die systeminterne Rekonstruktion des Wirtschaftssystems als Markt voraus, und es setzt, soll es nicht nur ad hoc, sondern als System gelingen, Geld voraus.
Anm. d. Übers.: „setzt Geld voraus“ spricht glaube ich für sich. Der Rest bedeutet:
deutsch: Leider hat er gerade nichts auf Tasche. Zum Glück ist die nächste Bank um die Ecke und er geht mal eben ein paar Scheine ziehen.

Luhmann: Wenn die Differenz von Angebot und Nachfrage etabliert ist, kann auch das Paradox der Einheit wiedererscheinen – freilich nicht mehr als Paradox, sondern in gereinigter Form: als „Gleichgewicht“ von Angebot und Nachfrage. Und daran richtet sich dann die ökonomische Theorie auf.
deutsch: und – oops! – da fällt ihm plötzlich auf, dass eine Bank 1+1=3 voraussetzt. Ist ihm jetzt aber auch egal. Alle sind glücklich und gehen surfen. Von da an wird sich nicht mehr über Alt- und Neumathematik echauffiert, sondern nur noch mit Surfbrettern gedealt.

Das Ganze ist also ein bisschen so wie bei David Copperfield: guckstu hier hin (steht ja’n Surfbrett!), passu da drüben nicht auf – und schon sind 1 und 1 gleich 3. Hassu den Salat.

So. Das war Seite 203. Eigentlich wollte ich die zwei Seiten danach übersetzen und das hier war nur die Einleitung. Aber dafür reicht es jetzt nicht mehr. Die zwei Seiten danach sind aber auch sehr lustig. Da erzählt er, wie genau das Gleiche im Rechtssystem und in der Wissenschaft passiert ist. Plötzlich war alles anders und keiner hatte es gemerkt. Waren alle mit was anderem beschäftigt.