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re:publica 2011: Flattr und OpenLeaks

Thursday, April 14th, 2011

To whom it may concern: bin heute auf der re:publica 2011.
Habe endlich mal ein reguläres Ticket. Heute mitnehmen was geht - morgen muss ich wieder in Wolfsburg sein, die Templates von Volkswagen warten.

Was bisher geschah

Bisher wurde ich hier endlich mal wieder auf den aktuellen Stand der Dinge gebracht: Zuerst ein Vortrag über die Rolle der neuen Medien in den aktuellen Revolutionen in der arabischen Welt von einem, der es wissen muss: Zahi Alawi arbeitet seit Februar 2005 als freier Redakteur für die Deutsche Welle. Keine grundlegend neuen Erkenntnisse, aber ein guter Überblick.

OpenLeaks

Faszinierend war bisher Daniel Domscheit-Berg, der ehemalige Sprecher von Wikileaks, der dann die Whistleblower-Plattform OpenLeaks gründete. Wie alle guten Leute argumentierte er sehr bescheiden - und in der Form, die jetzt gebraucht wird: Er promotete weniger seine eigene Organisation, als den Gedanken, die eigenen Aktivitäten auf viele gleichberechtigte Schultern zu verteilen. OpenLeaks etabliert gerade eine dezentrale Netzwerk-Plattform, bei der man Dokumente einem Medienunternehmen zeitlich begrenzt zur Verfügung stellen kann - und das nur noch zeitlich begrenzt exklusiv. Wenn diese sie nicht schnell genug auswerten bzw. darüber publizieren (sei es, weil sie politisch “zu heiß” sind oder aus anderen Gründen), dann werden die Informationen automatisch anderen im Netzwerk zur Verfügung gestellt. So wird sicher gestellt, dass alle Dokumente - Relevanz vorausgesetzt - ihr “Deployment” in einem Medium finden. Seiner Ansicht nach ist es oft der Long-Tail, also die Masse an kleinen Dokumenten, die wichtig ist. Und die kommen so in der breiten Masse besser zum Tragen. Das System befindet sich derzeit in der Alpha-Phase mit sechs anderen Plattformen und soll mit weiteren Partnern ausgebaut werden.

Flattr

Zur Finanzierung setzt er derzeit auf die Zur-Verfügungstellung von Ressourcen seiner Unterstützer. Das sei effektiver, als Geld einzusammeln. Trotzdem bedankte er sich beim nächsten Sprecher, dem Schweden Peter Sunde, über den er bereits einiges an Funding gesammelt habe. Sunde ist einer der Gründer von Flattr, einem genialen Dienst, mit dem man Blogger, User von Videoplattformen und andere Mehrwert-Schaffenden unterstützen kann. In seinem Vortrag erläuterte er die Funktionsweise: Man zahlt einen monatlichen Betrag ein. Über einen Flattr-Button kann man für einzelne You-Tube-Videos, Twitter-Tweats, Blog-Postings und anderes Spenden an die Urheber verteilen. Diese werden benachrichtigt, falls sie noch keinen Account haben. Unter allen ge-flattr-ten Beiträgen wird am Ende des Monats das eingezahlte Geld verteilt. Dabei verfallen Beträge von Unterstützten selbstverständlich nicht, wenn diese sich keinen Account einrichten, sondern fließen zurück auf das Konto des Einzahlers.

Obwohl es Flattr erst seit einem Jahr gibt, bewegt die Plattform bereits etwa 100.000 EUR pro Monat, Tendenz stark steigend. Natürlich würden sie die Weltherrschaft in diesem Bereich anpeilen (”and I do not mean only the earth”), meinte er etwas unbescheidener als Domscheit-Berg, aber eigentlich sei “Big Business” nicht ihr Hauptanliegen. Die Idee hat das Zeug zur neuen Grundlage der Verteilung finanzieller Ressourcen in Zeiten der Creative Commons, in denen Zeitungs- und Buchverlage jammern, das Urheberrecht sei nicht ausreichend. In jedem Fall ist es ein interessanter Beitrag zu dieser Diskussion und ein Gegenmodell, das wir im Auge behalten sollten.